Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.01.2002
Frank-Lothar Kroll nutzt die Gelegenheit, Fritz Bauer vorzustellen, dessen Wirken als Generalstaatsanwalt für das politische Klima der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik wesentlich war. In Matthias Meuschs umfangreicher Untersuchung steht allerdings weniger die Person des Remigranten Bauer im Vordergrund als vielmehr Bauers Rechtsverständnis und seine Aktivitäten in Bezug auf die Verfolgung nationalsozialistischen Unrechts. Ihm schwebte, erläutert Kroll, eine Art zweiter "reeducation" der deutschen Bevölkerung vor, insofern bei den Prozessen die historischen Hintergründe für die Verbrechen des nationalsozialistischen Systems aufgedeckt und aufgeklärt werden sollten. Ob diese Prozesse tatsächlich einen volkspädagogischen Nutzen erzielt haben, wie es Bauer vorschwebte, stellt Kroll infrage; Bauer sei, wie Meusch akribisch nachweise, auf große Widerstände gestoßen. Zu denken gibt es ihm deshalb auch, mit welch strengen Maßstäben im Vergleich zu damals die Auseinandersetzung mit der SED-Justiz heute betrieben wird.
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