Ludger Körntgen

Königsherrschaft und Gottes Gnade

Zu Kontext und Funktion sakraler Vorstellungen in Historiographie und Bildzeugnissen der ottonisch-frühsalischen Zeit. Habil
Cover: Königsherrschaft und Gottes Gnade
Akademie Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783050034034
Gebunden, 540 Seiten, 64,80 EUR

Klappentext

Die Sakralität des Königtums gehört zu den Strukturelementen der ottonisch-frühsalischen Zeit, denen epochaler Charakter zugeschrieben wird. L. Körntgen löst in seiner Untersuchung die Vorstellungen vom sakralen Königtum aus dem herkömmlichen ideengeschichtlichen Rahmen und fragt, welche Bedeutung sakrale Vorstellungen für die Herrschaftspraxis besaßen. Dazu stellt er die beiden wichtigsten Quellengattungen, die als Belege für das sakrale Königtum ottonisch-frühsalischer Prägung herangezogen werden, konsequent in pragmatische Zusammenhänge: die Werke zeitgenössischer Geschichtsschreibung und die Herrscherbilder in liturgischen Handschriften.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.01.2002

Die Habilitationsschrift des Historikers Ludger Körntgen veranlasst Friedrich Prinz zu Lob und Tadel. Lob spendet der Rezensent für das Unternehmen des Autors, eine nützliche und kritische Studie über ein problematisches und ideologiebesetztes Forschungsfeld verfasst zu haben und darin mit mancher "pseudohistorischen poetischen Schreibtischblüte" aufzuräumen. Tadel erteilt Prinz allerdings Körntgens kryptischem Schreibtstil, der selbst engagierte Geisteswissenschaftler ermüde. Aber auch inhaltlich übt der Rezensent Kritik. Körntgens Referenz auf Eco, Saussure und Peirce, deren Terminologie er benutzt, hätte er auch in den Anmerkungen oder im Literaturverzeichnis kenntlich machen müssen, und auch manche von Verfasser geübte Kritik an Annahmen seiner Zunft münde leider wiederum in wenig überzeugende geistesgeschichtliche Vermutungen, resümiert der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.01.2002

Eine kleine Revolution in der Deutung des mittlealterlichen Gottesgnadentums möchte Ludger Körntgen mit seiner Habilitationsschrift auslösen. Er nähert sich dem Gegenstand dabei von zwei Seiten, einmal in der Lektüre von Werken der Geschichtsschreibung - die aber, so Michael Borgolte in seiner Rezension, eher konventionell bleibt - und in der Neuinterpretation von "Herrscherbildern in liturgischen Handschriften". Ohne weitere Umstände hat man diese bisher als legitimierenden Ausdruck und als "Verbildlichung des Gottesgnadentums" verstanden. Falsch, meint Körntgen und stellt die These auf, dass es nicht um die aus dem Stiftungskontext abstrahierte Darstellung göttlicher Legitimität von Herrschaft gehe, sondern dass stattdessen vor allem der genaue liturgische Kontext der Handschriften zu berücksichtigen ist. Borgolte steht dieser These nicht ohne Sympathie gegenüber, kritisiert jedoch erhebliche Mängel: er vermisst sowohl die "Stringenz der Argumentation" wie die "Prägnanz der Sprache", ein Manko, das zum grundsätzlicheren Problem der unsicheren Überlieferungslage noch hinzukommt. Er kann so das Argument nur in abgeschwächter Form akzeptieren und hält gegen Körntgen fest, dass den Handschriften auch bei Berücksichtigung des konkreten Kontexts die Funktion der Herrschaftslegitimierung "in allgemeiner Weise" zugesprochen werden darf.

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