Bücherschau der Woche
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Herausgegeben und mit einem Vorwort von Peter Goldammer. Kellers Briefe eignen sich hervorragend als Bausteine seiner Biografie: Dem Erzähler geraten viele Briefgeschichten zu wunderbaren Romanepisoden, seine plastischen Schilderungen stecken voller Details und komischer Bewertungen. Was an den Briefen so imponiert, ist Kellers kompromisslose Haltung sich selbst und seiner Umwelt gegenüber.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.01.2003
Eigentlich, ja eigentlich sollte die Lektüre dieses Briefbandes ein Genuss sein, glaubt Sabine Doering und sieht sich enttäuscht. Denn Gottfried Keller, hält die Rezensentin fest, war zwar ein unbequemer Zeitgenosse und auch aufbrausender Mensch, aber er war ebenso ein vorzüglicher Stilist, charmanter Unterhalter, guter aber auch scharfzüngiger Beobachter, eine Tratschbase und ein warmherziger Freund, zählt Doering auf. Das alles zusammen ergebe die Basis für eine lebendige Korrespondenz, zumal der Schriftsteller das Briefeschreiben selbstbewusst neben sein Werk gestellt hätte. Da der Herausgeber das Anliegen hatte, vor allem ein "Lesebuch für junge Menschen" zusammenzustellen, habe er die Briefe Kellers bedauerlicherweise gerupft, vermutet Doering. Kein einziger sei komplett wiedergegeben, beklagt sie und findet die nicht markierten Auslassungen und Kürzungen ebenso unstatthaft wie das fehlende Register der Korrespondenzpartner und das nicht existente korrekte Quellenverzeichnis. Ist die kommentarlose Collagierung der Briefe im Sinne der besseren Lesbarkeit für Doering noch nachvollziehbar, ärgert sie sich dafür um so mehr über den inhaltlichen Eingriff des Herausgebers, der bei seinen Kürzungen einen streitbaren und amüsanten Briefpartner in einen harmlosen Autor verwandelt habe.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.07.2002
So viel Genuss ihm die Lektüre dieser Briefsammlung auch bereitet haben mag - den Titel kann Rezensent Uwe Schweikert überhaupt nicht verstehen. Denn ein fröhlicher Mensch sei Keller beileibe nicht gewesen: "Nüchterner, realitätszugewandter, zugleich aber auch selbstkritischer als dieser Gottfried Keller jedenfalls war selten ein Sonderling", meint Schweikert. In der Hypochondrie und der Unzufriedenheit des Genies mit sich selbst sei Keller höchstens noch mit Johannes Brahms zu vergleichen. Zwar würden Kellers Grandiositätsfantasien, Verstocktheit und die tiefe Verletzbarkeit in dem Band deutlich erkennbar, doch fänden sich dessen Neigung zu Schwermut, wenn nicht Depressionen, in Kellers Briefen tatsächlich häufiger, als die Auswahl glauben machen will, kritisiert Schweikert. Alles in allem aber sei sie dennoch ein Gewinn: "Was Kellers Briefe so frisch macht, als wären sie gestern geschrieben, ist ihr lebendiger, spielerischer, selbst im Spiel noch ernster, schwerer Ton, der bei aller Aufrichtigkeit und Nüchternheit doch stets eingebunden bleibt in eine unterschwellige Traurigkeit."
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.12.2001
Roman Bucheli scheint recht verärgert angesichts dieser Briefauswahl Gottfried Kellers, die laut Herausgeber eine Lebensbeschreibung des Schweizer Autors ergeben soll. Der Rezensent findet nicht nur die Auswahlkriterien undurchsichtig, nach denen die Briefe zusammengestellt worden sind, sondern empört sich zudem über die vielen, zum Teil "stillschweigend" vorgenommenen Kürzungen der Briefe. Es kommt hinzu, dass der Herausgeber seiner Ansicht nach an einer Skandalgeschichte, die das Augenmerk vor allem auf Kellers Geldprobleme lege, mehr interessiert war als an einer "biographie intellectuelle", so der Rezensent enttäuscht, und er kommt zu dem abschließenden Urteil, dass das Buch vor allem deutlich mache, "was ihm alles fehlt".
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