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zuletzt aktualisiert 22.02.2012, 15.59 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

G. K. Chesterton

Ketzer

Eine Verteidigung der Orthodoxie gegen ihre Verächter

Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 1998
ISBN-10 3821841656
ISBN-13 9783821841656
Gebunden, 292 Seiten, 27,61 EUR

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Klappentext

Aus dem Englischen neu übersetzt von Monika Noll und Ulrich Enderwitz. Reaktionär? Aber natürlich war Chesterton ein Reaktionär! Mit zwölf Jahren Heide, mit sechzehn Agnostiker, mit dreißig Katholik-, und mit sechzig schwärmt er fürs Mittelalter. Die Erbsünde hält er für eine Selbstverständlichkeit, und den Menschen für das einzige Tier, das Dogmen herstellt. Bäume, behauptet er, haben keine Dogmen. Steckrüben lassen alle Meinungen gelten. Und jede Wahrheit verwandelt sich in ein Dogma, sobald sie angegriffen wird. Und so definiert jeder Zweifler eine Religion. Aber was Chesterton an der Orthodoxie anzog, war keineswegs die Sicherheit, die sie bietet. Er witterte den Skandal, den sie, sobald man sie ernst nimmt, für den normalen Menschenverstand bedeutet. Damit verglichen wirken die meisten Ketzereien harmlos. Die materialistische Vernunft, vertreten durch seine Zeitgenossen H. G. Wells und Bernard Shaw, sieht tatsächlich ziemlich alt aus, wenn ein frommer Freigeist wie Chesterton gegen sie antritt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.12.2001

Seit dem 11. September läuft die Debatte über das friedliche Miteinander der Religionen auf Hochtouren. Es ist aber nicht damit Genüge getan, schreibt Ulrich Greiner, wenn man sich allein mit dem Anderen beschäftigt, ohne sich selbst, die eigene Kultur zu kennen. Und die fußt, ist der Rezensent überzeugt, auf dem Christentum, viel mehr als Vielen recht sein dürfte. Zur Nachhilfe über das, was denn christliche Kultur nun ist, empfiehlt Greiner zwei Bücher des als Autor von Detektivgeschichten ("Pater Brown") bekannt gewordenen Gilbert Keith Chesterton (1874-1936), der vor mehr als siebzig Jahren treffliche Betrachtungen über die "widersprüchliche Vielfalt des Christentums" abgefasst und den Rezensenten damit beeindruckt hat. Zwei dieser Essays, "Ketzer", bereits 1998 erschienen, und "Orthodoxie", liegen "hervorragend übersetzt" auf Deutsch vor.
Beiden widmet Greiner eine lange Besprechung, in der er dem Leser aber scheinbar nicht verraten mag, worin das jeweils Eigene der Bücher liegt. Beide jedenfalls beinhalteten drei Aspekte des Christentums: den der christlichen Haltung, den der demokratischen Grundannahme und schließlich den Konservatismus, dass einzig das Christentum menschenfreundlich und Demokratie ein Grundbedürfnis sei. Den Leser erwartet, verspricht Greiner, ein "seltenes intellektuelles Vergnügen", und doch muss er mit Entspannung und Beunruhigung zugleich rechnen. Es beruhigt, meint der Rezensent, zu wissen, wie klar die Ursprünge der christlichen Kultur sind, und es beunruhigt, fährt Greiner fort, dass ihre Lebenskraft ein Spektrum zeigt, das von Aggressivität zur Defensivität, von Souveränität zur Servilität, vom Erlöschen bis zur Unbesiegbarkeit reicht.

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