Herausgegeben von Peter Engelmann. Aus dem Französischen von Hans-Dieter Gondek.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.08.2002
Für ein "schillerndes historisches Dokument" hält Rezensent Andreas Cremonini Lacans Dissertation aus dem Jahre 1932, in der der angehende Psychoanalytiker einen berühmten zeitgenössischen Fall von Paranoia behandelt. Ihre Spannung erhalte diese Arbeit, die den jungen Arzt über Nacht bei Surrealisten und Marxisten bekannt machte, daher, dass sich Lacan dem Fall von zwei gegensätzlichen Seiten nähert, erklärt Cremonini: dem psychiatrischen Determinismus der damaligen Zeit und der philosophischen Phänomenologie. Die freudsche Psychoanalyse spielt im eigentlichen Sinne keine Rolle, auch die für Lacan charakteristische Betonung des Sprachlichen fehle völlig. Doch vor allem in zweierlei Hinsicht findet Rezensent Cremonini die Arbeit aufschlussreich. So werde einerseits deutlich, dass Lacan zentrale Gedanken seiner Theorie weitgehend unabhängig von Freuds Psychoanalyse entwickelt hat. Andererseits zeige die Arbeit, dass Lacan nicht der Sprachstrukturalist gewesen sei, für den ihn die Rezeption gern genommen habe, wie Cremonini meint. Denn bereits in der "thèse" sei das Verhältnis zwischen Subjekt und Struktur nicht als einseitiger Determinismus konzipiert.
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