Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Polnischen von Esther Kinsky. Ein Haus in den Bergen nahe der tschechischen Grenze. Eine Ich-Erzählerin und ihre alte Nachbarin, die voller Geschichten steckt. Geschichten, die sich mit den Träumen der Erzählerin verweben und immer wieder an diesen Ort nahe der Grenze zurückfinden, wo sich Zeiten und Schicksale treffen.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.07.2002
Jubelklänge aus der NZZ: "Wer wissen will, was Literatur in der Europa-Diskussion zu sagen hat", schreibt Thomas Grob, "der muss nach Mitteleuropa blicken". In Olga Tokarczuks "Taghaus, Nachthaus" hat der Rezensent nicht weniger als das langersehnte "Neue im Roman" entdeckt, das ja bekanntlich immer von den Rändern komme. Ganz begeistert, nein hingerissen ist er von der erzählerischen Brillanz der Autorin, die Niederschlesien als vergessener Kulturregion eine literarische Stimme verleihe und gänzlich neue Akzente im Umgang mit heiklen historischen Themen setze - und das ohne verkrampfte Selbstbezogenheit, ohne verklärende Sentimentalität. Der Roman biete so viel Platz für ganze Lebensgeschichten, für Träume, Heiligenviten, für so viel Erfundenes und Angedeutetes, dass er nicht einmal eine Handlung brauche, staunt Grob: "Der Roman bewegt sich zwischen dem beinahe autarken Landleben und den eingeflochtenen Geschichten über seine Bewohner scheinbar ohne Ziel, in einer Sprache voll ruhiger Zeitlosigkeit, die alles von innen zu durchdringen scheint und doch ganz eigenständig, oft unverblümt direkt und manchmal auf ironischer Distanz bleibt."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.02.2002
Olga Tokarczuk ist in ihrem Heimatland Polen bereits sehr populär und auch in Deutschland seit Erscheinen des Romans "Ur" und des Erzählbandes "Der Schrank" nicht mehr unbekannt. Carsten Hueck charakterisiert ihr Schreiben als "tiefgründig", "einfach und beinahe altmodisch in der Form" und "originell in den Bildern". Tokarczuk verbinde Reales mit Mythischem und Rationales mit Phantastischem, führt er aus. Teile aus dem nun erschienenen vierten Roman der Autorin kenne der Leser vielleicht bereits aus dem Band "Der Schrank", sie würden sich aber in neuem Zusammenhang besser erschließen, findet Hueck. In diesem vielleicht persönlichsten Buch der Autorin, das um das Leben in der niederschlesischen Provinz einer namenlosen Erzählerin kreist, errichte die Autorin, eine studierte Psychologin, einen ganzen Kosmos. Mikrokosmos und Makrokosmos individueller Erfahrung gingen hier ineinander über, und das Haus der Erzählerin in der Nähe der Grenze zu Tschechien werde zum zentralen Punkt in einer Welt, in der nichts zu profan zu sein scheint, um beachtet und beschrieben zu werden. Für Hueck ist Olga Tokarczuk eine der wichtigsten modernen Erzählerinnen, der es gelänge, das Grau der Gegenwart zu durchdringen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.12.2001
Olga Tokarczuk lebt in einem niederschlesischen Dorf in Polen nahe der tschechischen Grenze. Sie hat Psychologie studiert und ist eine Anhängerin der Thesen von C.G. Jung mit seiner Archetypenlehre. Das sollte man von ihr wissen, meint Kristina Maidt-Zinke, denn es verrät viel über Inhalt und Funktionsweise ihres neuen, zweiten Romans. Der sei konstruiert wie der Rundgang durch ein Haus: jede Tür öffne eine neues Zimmer, und der Leser stoße auf mindestens eine, wenn nicht viele neue Geschichten, die aus den Ritzen der Wohnungen ebenso wie den Gehirnen ihrer Bewohner wucherten. "Taghaus Nachthaus" bezeichnet nämlich auch, erläutert Maidt-Zinke, die Grenze zwischen Tag und Nacht, Bewusstsein und Traum, Alltag und Dorflegenden, tatsächlichen Ereignissen und Mythen usw. Hinter all dem vermute die Autorin eine symbolische oder zumindest sinnvolle Ordnung. Der metaphysische Touch dieses Buches ist der Rezensentin nicht ganz geheuer, sieht sie doch die Gefahr einer neuen, wenn auch "betörenden Variante der Traktatliteratur" heraufziehen; zugleich sieht sie aber in der Autorin das Potential vorhanden, dieser Neigung literarisch entgegenzuarbeiten.
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