Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Polnischen von Andreas Lawaty. Die Welt geht unter, daran besteht für Stanislaw Lem kein Zweifel, aber über das "Wie" läßt sich diskutieren. Lems Fortschrittsoptimismus ist mehr als gedämpft; wir drohen im Informationsmüll zu ersticken, die virtuellen Realitäten führen dazu, daß wir den Überblick über unsere Welt verlieren. Lem untersucht in seinen Essays Fragen zu Evolution und technischer Entwicklung, zu Biotechnologie und Gentechnik, zu Computerwissenschaft, Informationstechnologie und "Künstlicher Intelligenz".
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.05.2002
Rezensent Burkard Müller zeigt sich recht angetan von Stanislav Lem Essayband "Riskante Konzepte", in dem er die Aussichten für das neue Jahrhundert abschätzt. Wer sich davon grundlegend neue Prognosen und Visionen erwartet, wird nach Ansicht Müllers allerdings ein wenig enttäuscht sein, verweilt Lem doch "fast zärtlich" bei seinen früheren Spekulationen über die Zukunft. Mit Ironie und Skepsis behandelt der nunmehr achtzigjährige Lem Themen wie die Roboterforschung, die biotechnologische Revolution und die Kontaktaufnahme zu fremden Intelligenzen im Weltall, berichtet Müller. Müller hebt hervor, dass es Lem nicht so sehr um technische Neuerungen und Perspektiven geht, sondern um "Konstanten, die er, bei aller Instabilität der menschlichen Verhältnisse, aus der historischen Erfahrung in die Zukunft hinein fortgesetzt sieht". Dazu zählen laut Müller für Lem eben auch menschliche Dummheit mit ihren beiden Aspekten des Bösen und des Lächerlichen. Lem ziehe sich aber keineswegs auf ein altersweises Schmunzeln zurück, lobt Müller. Im Gegenteil: Er mache deutlich, dass die Verwirklichung auch nur eines Teils der heute gepriesenen Projekte ungeahnten zu ökonomischen, sozialen, historischen Wandlungen führen wird. Wenn Lem dann ein Bild der Zukunft malt, in der Autos "überfahrenen Rollschinken" ähneln oder Panzer "Elefanten imitieren", dann fehlt es ihm nach Ansicht des Rezensenten etwas am nötigen Ernst - was er ihm aber nicht weiter krumm nehmen mag.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.01.2002
Kürzlich feierte Stanislaw Lem seinen 80. Geburtstag. Kein Grund jedoch für Rezensent Hans Ulrich Gumbrecht, angesichts dieser Sammlung von Aufsätzen nicht hart mit ihm ins Gericht zu gehen. Jede Menge Pessimismus, aber umso weniger Argumente, gehörigen Narzissmus, aber nichts von theoretischem Belang hat er in den Texten, die, wie er sagt, den Namen Essay kaum verdienen, gefunden. Das Projekt: Lem konfrontiert sich mit seinen vor vierzig Jahren aufgestellten Zukunftsprognosen. Ergiebig ist das nicht, so jedenfalls Gumbrecht, der meint, dass sich Lem dabei eher als Mann der "Zukunft der Vergangenheit" erweist. Einzig den letzten Aufsatz, "Logorhea" überschrieben, findet er gelungen, in dem Lem alle "ernsthaften Kompetenzansprüche" fahren lässt und sich in "grotesken Bildern vom Zukunftskitsch unserer Zeit" doch noch zu "erheblicher literarischer Qualität" aufschwingt. Das, scheint Gumbrecht kopfschüttelnd mit Blick auf den Rest des Bandes zu seufzen, das wäre es gewesen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.10.2001
Längst habe sich der Science Fiction-Autor von seinen utopisch-visionären Vorstellungen verabschiedet und den Planeten Solaris verlassen, schreibt "flow" als Einleitung seiner kurzen Besprechung von Lems Essaysammlung. Lem ist zurückgekehrt zu seinen theoretischen Anfängen der "Summa technologiae" in den 60er Jahren, behauptet "flow". Sein Anliegen sei, seine Konzepte und Prognosen von damals in Bezug auf beispielsweise künstliche Intelligenz mit der Entwicklung bis heute zu konfrontieren. Dabei übermannt ihn nach "flow" immer wieder die Skepsis, Lem entwickle sich zum Mahner, Warner vor naiver Fortschrittsgläubigkeit. Manchmal gar sieht "flow" Lem als "Virilios Bruder im Geiste", der mit apokalyptischem Furor predigt und den Kommunikationswahn geißelt. Ansonsten aber lobt der Rezensent Lems polemischen Biss.
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