Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Klappentext
Wien ist ein zentraler Bezugspunkt von Ilse Aichingers Schreiben. In die Topografie dieser Stadt sind ihre Erinnerungen eingeschrieben, die "äußerste Geborgenheit" der Kindheit ebenso wie die "äußerste Bedrängnis" der Kriegszeit, als ihre jüdischen Verwandten deportiert wurden und sie die Stadt als 'Mischling ersten Grades' nicht verlassen durfte. Die in den fünfziger Jahren entstandenen Prosagedichte "Kurzschlüsse", die hier erstmals vollständig versammelt sind, umkreisen die verminten Stellen dieses Geländes. Sie umspielen sie drohend und verheißend, bis darin, im Hier und Jetzt des Kurzschlusses, weit entfernte Räume, Zeiten und Möglichkeiten aufscheinen. Bis Juden, die das Ghetto nicht verlassen können, vor dem geschlossenen Verladebüro ihr ersehntes Land finden und der Besatzungssoldat auf dem Kanal die Arche Noah vorbeifahren sieht.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 31.10.2001
Die Autorin Ilse Aichinger hat ihre Prosagedichte "Kurzschlüsse" als CD herausgegeben. Diese Gedichte liest sie selbst. Der Rezensent Andreas Nentwich ist sehr angetan von der Lesung, denn obwohl die Autorin äußerst zurückhaltend mit stimmlichen Mitteln umgeht, findet er, dass "alles klingt". Hier "schlägt der Funke der Poesie", so der Rezensent begeistert.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2001
Zwei Textsammlungen von Ilse Aichinger bespricht Christiane Zintzen.
1) "Kurzschlüsse. Wien"
Die Sammlung von Prosagedichten, die in den fünfziger Jahren einzeln erschienen sind, ist nach Ansicht von Zintzen eine Sammlung von "Memo-Topografien", in der Aichinger bestimmte Orte der Stadt Wien, insbesondere den Dritten Bezirk, mit ihren Erinnerungen verknüpft. Diese seien in großem Maße von ihrer Vergangenheit als 'Halbjüdin' im Nationalsozialismus bestimmt. In einem der Sammlung beigefügten Essay von 1954 finde sich auch ihr "poetisches Programm", das im wesentlichen darin bestehe, das Bekannte fremd zu machen, was Aichinger in gewohnt direkter Weise auch tue. Hinzuweisen ist noch darauf, dass es "Kurzschlüsse" auch als CD gibt, gelesen von der Autorin.
2) "Film und Verhängnis"
In dieser Sammlung biografischer Notizen findet Zintzen (wie auch in den Filmglossen "Journal des Verschwindens") Aichingers "Wien-Topografie" wieder. Die Texte seien allerdings weder Essays noch Kritiken, sondern vielmehr "Beziehungsgeschichten zwischen Subjekt und Film", in denen es darum gehe, wie der Mensch im Film Zuflucht und Distanz zu sich selbst finde. Als wohltuend empfindet die Rezensentin hier wie auch in den "Journalen" das Zusammenspiel von Schärfe und Gelassenheit, und sie befindet begeistert, dass es sich bei diesen Werken Aichingers um "etwas Großes" handelt, "welches seinesgleichen weder suchen mag noch finden kann".
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