Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
"In Deutschland weiß eigentlich niemand, dass es mich gibt", sagte Elisabeth Mann Borgese einmal, und es schien sie nicht zu bekümmern. Das familiäre Erbe prägte die jüngste Tochter von Thomas Mann, ohne sie zu lähmen. Sie ist ausgebildete Konzertpianistin, hat diesen Beruf aber nie ausgeübt. Sie arbeitete als Politologin an mehreren wissenschaftlichen Instituten, seit 1980 - ohne je studiert zu haben - als Professorin an der politischen Fakultät der Universität von Halifax, Canada. Sie schrieb Bücher mit Essays und Aufsätzen, Novellen und Theaterstücke und zog außerdem zwei Töchter groß. Als engagierte Meeresschützerin hat sie sich internationale Anerkennung und Berühmtheit erworben.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.12.2001
Elisabeth Mann Borgese, konstatiert Rezensent Eckhard Heftrich, ist in Deutschland nach wie vor das vermutlich unbekannteste Mitglied des "pseudomythischen Kollektivs", das die Manns darstellen. Für das Ausland gilt das nicht - und angesichts ihrer Lebensleistung, stellt der Rezensent fest, ist die deutsche Geringschätzung auch keineswegs gerechtfertigt. Als unerschöpfliche Forscherin und Organisatorin, als Kämpferin für die Verbindung von "Humanität und Ökologie" ist sie, die an ihrem sehr viel älteren Mann vor allem dessen Unabhängigkeit bewunderte, aus dem Schatten des großen Vaters getreten. Eine Biografie hat sie längst verdient, meint Heftrich, und daher ist es gut, dass sie sie nun bekommt. Über die Maßen glücklich ist er mit dem "locker gemalten Lebensbild" von Kerstin Holzer allerdings nicht. Seine "schnelle Machart", bedauert er, ist dem Buch deutlich anzumerken. Zwar biete es die Veröffentlichung bisher unbekannter Dokumente, insgesamt aber handelt es sich, so Heftrich, unverkennbar um "Quartärliteratur", die die bekannten Biografien des Vaters noch einmal ausschlachtet.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.12.2001
Das kommt häufiger vor: der Charme des Buchs ist zugleich seine Schwäche, meint Regula Venske über das Porträt des jüngsten und einzigen noch lebenden Thomas Mann-Sprösslings, Elisabeth Mann Borgese. Eben keine Biografie, sondern ein Porträt, das die Autorin nach langen Gesprächen mit Mann Borgese gezeichnet und zusammengesetzt hat. Holzer mache sich Mann Borgeses Perspektive völlig zu eigen, schreibt Venske, auch wenn sie die üblichen biografischen Quellen ausgewertet hat oder Briefstellen zitiert. Dafür ist ein warmes Porträt einer durchsetzungsfähigen Person mit sonnigem Naturell entstanden: ausgebildete Konzertpianistin, die den Beruf nie ausübte; Frauenrechtlerin, die einen Mann heiratete, den sie nur durch sein Buch kannte; Politologin, die sich dem Schutz der Weltmeere verschrieb und als erste Frau in den Club of Rome aufgenommen wurde. Venske berichtet noch ein hübsche Anekdote: wie John Irving Mann Borgeses imponierende Bekanntschaft im Flugzeug machte. "Kultiviert" dem Whiskey zusprechend vertraute sie dem "Verfasser ihr unbekannter Romane" an, dass ihre englischen Setter Weihnachtsgrüße texten.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.10.2001
Für Alexander Kissler ist Kerstin Holzers Lebensporträt von Elisabeth Mann Borgese reichlich kitschig ausgefallen. Die Autorin habe im wesentlichen Bekanntes aus dem Leben der jüngsten Tochter Thomas Manns zusammengetragen. Zu häufig verliere sich die "emphatische" Lebensbeschreibung in trivialen Mitteilungen, in denen die Autorin dem Leser auch noch eigene Lebensweisheiten mit auf den Weg gebe. Bei soviel Devotion und Lobkübeln stehen für Kissler am Ende die Biografin wie die Porträtierte "reichlich begossen" da.
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