Theodor W. Adorno

Zu einer Theorie der musikalischen Reproduktion

Nachgelassene Schriften. Abteilung I: Fragment gebliebene Schriften. Band 2
Cover: Zu einer Theorie der musikalischen Reproduktion
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783518583067
Gebunden, 400 Seiten, 39,88 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Henri Lonitz. Die "Theorie der musikalischen Reproduktion" zählt zu Adornos ältesten Buchplänen; das erste Schema dazu datiert von 1927. Wiederholt nennt Adorno das geplante Buch Mitte der dreißiger Jahre als die nächste Arbeit, die er mit Rudolf Kolisch gemeinsam schreiben wolle. Zehn Jahre später beginnt Adorno, "Aufzeichnungen zu einer Theorie der musikalischen Reproduktion" in ein Notizbuch einzutragen, das allein dieser Arbeit gewidmet ist und bis 1959 geführt wurde. Ein maschinenschriftlicher Entwurf von 78 Seiten, der nur einen kleinen Teil der zu behandelnden Themen umfasst, entstand noch in Amerika. Zur endgültigen Niederschrift aber kam es nicht mehr. Adorno hat den Gedanken an das Buch jedoch nie aufgegeben. Es sollte der Frage nachgehen, ob Musik ? zumal die traditionelle ? nicht uninterpretierbar geworden sei.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.11.2001

Für Reinhard Klein stellt die Veröffentlichung von Theodor W. Adornos nachgelassenen Fragmenten "Zu einer Theorie der musikalischen Reproduktion" ein lang ersehntes Ereignis dar. Mit Adornos Reflexionen glaubt unser Rezensent den schmerzlichen Mangel an musiktheoretischer Fundierung praktischer Interpretationen von musikalischen Werken endlich behoben. Damit biete sich die Chance, ästhetische Erfahrung "mit den Kategorien und Kriterien von Theorie" zu verbinden. Klein hebt hervor, dass Adorno nicht primär als Hörer von Konzerten oder Platten zu seinen Interpretationen gelangte, sondern durch seine eigene künstlerische Praxis als passionierter Pianist: "Hier denkt einer über Musik nach, der ihr von frühester Jugend an verfallen war." Den Höhepunkt von Adornos Aufzeichnungen sieht Klein in dessen Entwurf "einer Hermeneutik der Notenschrift, die nicht in der Analyse des Notierten aufgeht, sondern zugleich eine Theorie der Mimesis in der Musik reklamiert". Der Hinweis auf einige kleinere Widersprüche in Adornos Aufzeichnungen schmälert den Rang dieses Werkes für unseren Rezensenten in keiner Weise: "Vor uns liegt die auf absehbare Zeit wichtigste Publikation zur Philosophie der Musik."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.10.2001

In einer gut verständlichen Rezension bespricht Joachim Kaiser einen von Adornos nachgelassenen Texten, der von Henri Lonitz "sorgfältig" kommentiert und herausgegeben wurde. Der Text setze sich aus "Aufzeichnungen I und II" und "Entwürfen" zusammen, und sei mehr als einmal im Grunde ein "Selbstgespräch" Adornos. Wenn er sich über Musik und lebende sowie verstorbene Musiker, Dirigenten und Komponisten äußert, fällt dem Rezensenten "etwas Ungeschütztes, Mutwilliges, Vergnügt-Kesses" auf, manches wirke auch "qualitätsblind". Das hängt mit der "Privatheit" der Notizen zusammen, die Adorno über die Jahre für sich, nicht für die Nachwelt notiert habe: Darum sind die Aufzeichnungen auch noch nicht "dialektisch gekämmt", was nach Kaiser höchstens Akademiker bedauern können. 'Pech gehabt', zitiert er aus den Notizen, wenn Adorno eine These durch die Noten widerlegt sieht. Adornos Musikkritik fordere in der Musikinterpretation neben "Ausdruck" vor allem "Deutlichkeit", und zwar nicht nur von "offenen oder verborgenen musikalischen Beziehungen des Notentextes" - Adorno komme es vor allem auf die Hierarchie 'zwischen Deutlichen und Undeutlichem im Sinn der Deutlichkeit der Gesamtstruktur' an, was Kaiser "kompliziert", aber auch "irgendwie trivial" findet. Seine anschließenden Erläuterungen von Adornos skizzierten Theorien an einzelnen Beispielen sind jedenfalls äußerst deutlich. Und die Sympathie und Bewunderung für Adorno ebenso.

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