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Günther Anders
Über Heidegger
Klappentext
Günther Anders gehört neben Hannah Arendt, Hans-Georg Gadamer, Hans Jonas, Herbert Marcuse und anderen zu den wichtigen Schülern Martin Heideggers. In diesem Band werden Anders' Texte zur Auseinandersetzung mit Heidegger neu gesammelt und herausgegeben. Zu ihnen gehören nicht nur fast unbekannt gebliebene Aufsätze, sondern vor allem umfangreiche Arbeiten aus dem Nachlass, die hier erstmals veröffentlicht werden. Die Texte zeichnen den Weg der langsamen Ablösung von Heidegger nach. Anders kehrte sich von 1930 an ebenso regelmäßig von der Philosophie ab, wie er sich ihr wieder zuwandte; zeitlebens suchte er die politische Intervention. Seine Arbeiten über Heidegger zeugen von kritischer Angriffslust, von stilistischer Schärfe, aber auch von seinem philosophischen Ernst. Denn Anders' Einwendungen gegen Heidegger sind mehr als äußerliche Ideologiekritik...
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Günther Anders über Heidegger - mehr bei C.H. Beck
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.04.2002
In diesem Band ist der als engagierter Zeitdiagnostiker bekannte Philosoph Günter Anders von einer eher unbekannten Seite zu entdecken, meint Rahel Jaeggi: in seiner Herkunft von Martin Heideggers Existenzialismus nämlich. Der Band besteht aus "teilweise fragmentarischen Vorträgen und Aufsätzen". Die Heidegger-Kritik entwickelt Anders aus einem Problem seiner eigenen Philosophie: der Frage nach dem Verhältnis von "Theorie und Praxis". Heideggers "Dasein" kenne, so Anders in seiner Kritik, "keine Instinkte und keine Zahnschmerzen". Dagegen setzt, in - wie die Rezensentin findet - mitunter erfrischend unbekümmerter Umformulierung von Heideggerschen Ansätzen, Anders seine eigenen Anliegen. Heraus kommt dabei, so Jaeggi, eine "anthropologische Transformation der Existenzialontologie" - und die findet sie, trotz vereinzelter etwas naiv anmutender und allzu konkreter Einsichten, allemal interessant.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.01.2002
Mit "zweierlei Heidegger", gelesen von den Philosophen Günther Anders ("Über Heidegger", Beck Verlag) und Peter Sloterdijk ("Nicht gerettet. Versuche nach Heidegger", Suhrkamp), hat sich Ludger Lütkehaus beschäftigt:
1) Günther Anders: "Über Heidegger"
Dass diese Heideggeriana vor Empörung nur so zittern, dass Anders "kein gutes Haar an Heidegger" lässt - für Lütkehaus geht das schon in Ordnung: "Er sieht ihn einseitig, aber auch scharf." Will heißen: Akzeptiert man den vom Autor abgesteckten Rahmen (der Heidegger von "Sein und Zeit"), "so sind Anders' scharfzüngige, von sarkastischem Witz triefende Polemiken ... lesenswert". Ebenso lesenswert, wie Lütkehaus uns wissen lässt, wie das "kluge moderierende Nachwort" Dieter Thomäs und die enthaltene "treffende Analyse" von Trotz und Anpassung in Heideggers Todesphilosophie. Letztere gewährt dem Rezensenten denn auch "die vielleicht bemerkenswerteste Entdeckung dieses Bandes": Wie bereits Anders eine Philosophie der "Natalität" andeutet, die der "Auszeichnung der Todesphilosophie bei Heidegger" widerspricht, hat ihn überrascht.
2) Peter Sloterdijk: "Nicht gerettet. Versuche nach Heidegger"
Der Einseitigkeit der Deutung in dem Band von Günther Anders scheint der Rezensent Sloterdijks "entschlossenen" Versuch einer Beerbung Heideggers vorzuziehen. Das Sloterdijksche Metaphergestöber macht ihm nichts: die "begnadete Formulierungskunst", der "Reichtum der Perspektiven", die "immense Belesenheit" sowie die "schiere Intelligenz" des Autors schimmern noch immer durch. Und die "herrische Geste", die Sloterdijk mit dem Meßkirchner teile, hat nicht dessen "Humorvergessenheit", sondern sie "funkelt vor sadomasochistischem Witz". Zu bedenken gibt uns Lütkehaus gleichwohl, dass Sloterdijk in diesem Band auf seinen umstrittenen Menschenpark-Vortrag mit einer "Hardcore-Variante" heideggerianischer "'ontopastoraler' Seinhirtenschaft" noch eins draufsetzt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.12.2001
Ulrich Raulff bespricht in einer Doppelrezension zwei Publikationen, die ein neues Licht auf Heideggers Schüler werfen: "Über Heidegger" von Günther Anders und "Heidegger's Children. Hannah Arndt, Karl Löwith, Hans Jonas, and Herbert Marcuse" von Richard Wolin (Princeton UP).
1.) Günther Anders: "Über Heidegger"
Für Ulrich Raulff gehört Günther Anders' Studie "Über Heidegger" zu den "intellektuellen Ereignissen" dieses Herbstes. Der Rezensent sprüht geradezu vor Sympathie für Anders' Aufzeichnungen, in denen er die "Innenseite" von Anders' Denken erblickt. Vor allem Anders' "intellektuelle Freiheit" vom einstigen Lehrer Heidegger, die nicht zuletzt im geschliffenem, pointierten Stil des Schülers ihren Niederschlag finde - welch wohltuender Unterschied zu der schwerfälligen, gespreizten Prosa Heideggers! -, imponiert dem Rezensenten mächtig. Voller Zustimmung folgt der Rezensent Anders, wenn dieser Heideggers Daseinsanalyse einer kritischen Prüfung unterzieht und beispielsweise auf die unterschlagenen anthropologischen Voraussetzungen in Heideggers Philosophie aufmerksam macht: "Anders lüftet das Gewand der Fundamentalontologie, und zum Vorschein kommt ein buckliger, trotziger, misanthropischer Zwerg." Dass es Anders dabei aber nicht darum geht, Heidegger in Bausch und Boden zu verdammen, sondern auf die "humanen Defizite" in dessen Philosophie hinzuweisen, stellt der Rezensent ebenso hervor, wie auch die erstaunliche Nähe der Zivilisationskritik und der Technikphilosophie des späten Anders zu Heideggers Seinsphilosophie.
2.) Richard Wolin: "Heidegger's Children"
Im Unterschied zu Anders richtet Richard Wolin in seinen Untersuchungen den Fokus nicht auf das, was Heideggers Schüler aus dessen Daseinsanalyse machen, auf Unterschiede und Ähnlichkeiten der philosophischen Entwürfe der Schüler im Vergleich zum Lehrer. Im Zentrum stehen vielmehr die persönlichen Reaktionen von "Heideggers Kindern", seinen jüdischen Studenten Arendt, Löwith, Jonas und Marcuse auf den politischen Fall des Meisterdenkers. Wolin versucht eine "Studie über posttraumatisches Denken und die Katastrophe der deutsch-jüdischen Bildungssymbiose". Darin sieht unser Rezensent ein wenig die Schwäche von Wolins "interessantem" Buch, insbesondere darum, weil man dies bei Bourdieu und Losurdo schon genauer lesen konnte.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2001
Ludger Heidbrink bespricht zwei Bücher über Heidegger, die sich zumindest in zweierlei Hinsicht ähnlich seien: Beide kritisieren laut Heidbrink Heideggers antivitalistischen Standpunkt und beide heben die Bedeutung der Bedürfnisnatur hervor.
1) Günther Anders: "Über Heidegger"
Günther Anders kritisiert allerdings, wie Ludker Heidbrink darstellt, die Haltung Heideggers, der sich einer Stellungnahme zu den Problemen der Moderne verweigere. Heideggers Existenzialphilosophie spiegele die "radikale Vereinzelung des kleinbürgerlichen Individuums wider" und entziehe sich einer anthropologischen Fundierung des Individuums, fasst Heidbrink Anders Kritik Anders zusammen. So seien Anders gesammelte Aufsätze Ausdruck einer "tiefen Unzufriedenheit über die Tatenlosigkeit der Philosophie".
2) Peter Solterdijk: "Nicht gerettet. Versuche über Heidegger"
Dagegen übernehme Sloterdijk in gewisser Hinsicht den Ansatz Heideggers, meint Heidbrink, und führe diesen weiter, in dem er dessen Dekonstruktion des Menschen mit der Frage nach den Möglichkeiten der "Anthropotechniken" verbinde. So stelle Sloterdijk fest, dass der Mensch immer bereits "hybrid" gewesen sei, insofern er seine biologische Mangelhaftigkeit durch technologische Konstruktionen auszugleichen versuche. Ein Versuch demnach, sich dem Unausweichlichen zu überlassen, ohne die Kontrolle über die Entwicklungen zu verlieren, wie Heidbrink zusammenfasst.
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