Herausgegeben von Michael Borgolte.Das halbe Jahrtausend, dessen Geschichte in diesem Buch geschrieben wird, sah nicht nur bedeutende Verschiebungen der geografischen Grenzen des Welttheaters. Noch stärker tritt hervor, dass sich eine Weltordnung, in der Orient und Okzident in Gestalt des persischen und des römischen Großreiches einander gegenüberstanden, zur Dreiheit der byzantinischen, der muslimischen und der abendländischen Kultur formte. Am Ende dieses Zeitalters, zu Beginn des 9. Jahrhunderts, war die bis heute gültige Gliederung unseres Weltteils in westeuropäisches Abendland, griechisch-osteuropäische Mitte und zum Orient überleitende muslimische Welt vorgezeichnet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.10.2001
Die Rezension steigt etwas umständlich bzw. sehr grundlegend in ihr Thema ein, da Wilfried Nippel zunächst das 1776 erschienene Werk von Edward Gibbon vorstellt, an dessen epochen- und disziplinenübergreifende Sicht der Dinge Autor Ernst Pitz seiner Meinung nach anschließt. Pitz' Geschichte des Römischen Reichs setzt im 3. Jahrhundert ein und schließt mit der Krönung Karls des Großen, erfährt man weiter; dabei verzichte der Autor auf einseitige wirtschaftshistorische Erklärungen für den Bruch, der die Entwicklung einer spezifischen ost- und westeuropäischen sowie islamischen Kultur "mit bis heute wirksamen Folgen" in die Wege leitete. Insbesondere der unterschiedlichen Staatskonzeption und Auffassung von Recht gelte das Augenmerk des Autors. Für Nippel verbindet Pitz aufs Schönste den Blick für Strukturen mit einem Sinn für aufschlussreiche Details, die der Erzählung Hand und Fuß verleihen. Ein anregendes und grundlegendes Buch, das der Rezensent jedem, der es "mit der Rede von den historischen Wurzeln des heutigen Europas ernst meint", ans Herz legt.
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