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Wolfgang Schivelbusch
Die Kultur der Niederlage
Der amerikanische Süden 1865, Frankreich 1871, Deutschland 1918
Klappentext
Auf breites geschichtliches Material zurückgreifend - den amerikanischen Süden nach 1865, Frankreich nach 1871 und Deutschland nach 1918 -, zeichnet Wolfgang Schivelbusch die Aufbrüche und die aus tiefer Demütigung kommenden Energieschübe nach, die Niederlagen den Besiegten bringen. Nicht nur die Vielzahl aktueller Bezüge verblüfft, sondern auch eine grundlegende Einsicht: "Wehe den Siegern!"
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.10.2001
Wolfgang Schivelbusch hat sich viel vorgenommen, denn er will generelle Aussagen darüber treffen, wie Völker mit ihren Niederlagen, den verlorenen Kriegen umgehen, schreibt Franziska Augstein. Drei moderne Volkskriege hat der Autor dafür näher betrachtet: den amerikanischen Bürgerkrieg, die Niederlage der Franzosen gegen die Deutschen 1870 und schließlich den Ersten Weltkrieg. Die Schlüsse, die Schivelbusch daraus zieht, findet die Rezensentin ausgesprochen gewagt. Sie hat den Eindruck, der Autor glaube, als Psychohistoriker mehr über die betroffenen Menschen zu wissen als diese selbst. Dazu kommt, dass er sich für Augstein sehr parallelfixiert zeigt, dabei seinen Assoziationen freien Lauf lässt und alsdann sogar vom Apolitischen ins Reaktionäre abdriftet, kritisiert Augstein. Schade, schade, mit kulturgeschichtlichen Darstellungen hat sich Schivelbusch, weiß die Rezensentin, etwa über die Eisenbahn, über die Gerüche und über die elektrische Beleuchtung, einen Namen gemacht. Belesenheit demonstriere er auch in seinem neuen Buch, aber leider würden hier die freien Assoziationsketten an einigen Punkten zu "unverdünntem Unfug" führen und hier und da ein wenig abdriften.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.10.2001
Ziemlich interessant findet Stefan Reinecke diese Abhandlung über die Frage, welche Chancen und Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Weiterentwicklung militärische Niederlagen mit sich bringen. Das Buch sei zwar spannend, aber "methodisch zu ungenau" und daher eher als Essay denn als wissenschaftliche Arbeit zu lesen. Dennoch, "flott" und manchmal "ziemlich gewagt" findet Reinecke die Thesen, die Schivelbusch aufstellt. Manchmal fällt es dem Rezensenten allerdings schwer zu sagen, was an diesen lediglich originell und "geistreich" und was wirklich substantiell ist. Die Parallelschlüsse, die der Autor zieht, und die Spiegelungen, die er beschreibt (zum Beispiel wie die Nazis die Kunst der massenmedialen Inszenierung von den Amerikanern gelernt haben) findet der Rezensent jedenfalls brillant.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.10.2001
Äußerst positiv widmet sich Ulrich Speck diesem Buch. Also roter Faden ziehe sich durch die Darstellung die These "Der Sieger trägt zwar den Sieg davon, der Verlierer aber die Chance zur Erkenntnis". Entlang dieses Fadens verknüpfe der Autor die drei im Titel genannten historischen Ereignisse, allerdings in lockerer Form und mit vielen überaus interessanten Exkursen, wie der Rezensent lobt. Durch die Verbindung verschiedener Ansätze von sowohl Historikern als auch Psychoanalytikern komme er zu neuen und überraschenden Erkenntnissen, von denen sich der Rezensent ebenso begeistert zeigt wie von der diskreten Person des Autors.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2001
Der Rezensent Jörg Fisch hält sich mit Lob nicht zurück: So attestiert er dem Autor eine "luzide Sprache", "Präzision in der Sache" und eine beinahe "überbordende Gelehrsamkeit". Schivelbusch hat sich drei Kriege aus der Geschichte ausgesucht, die er genau aus der Perspektive der Verlierer analysiert, erklärt Fisch: den amerikanischen Bürgerkrieg, den Deutsch-Französischen Krieg von 1871 und Deutschland nach dem ersten Weltkrieg. Der Autor decke dabei die Mechanismen auf, mit denen die Verlierer ihre Niederlage zu bewältigen suchten. Sie reichten von der Behauptung, um den Sieg betrogen worden zu sein bis zum Lernen von den Siegern. Kritisch meldet sich der Rezensent Fisch, wenn es im Buch darum geht, diese Forschungsergebnisse zu synthetisieren und eine allgemeine "Geschichte" der Niederlage zu schreiben. Dies sei dem Autor nicht ganz gelungen. Dennoch biete das Buch "eine Fülle von Anregungen" zum Thema, wenn auch nicht deren Geschichte, wie Fisch seine Besprechung schließt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2001
Wolfgang Schivelbusch untersucht die Reaktionen auf Kriegsniederlagen an drei ausgesuchten Beispielen: den Südstaaten im amerikanischen Bürgerkrieg, Frankreich nach der Niederlage gegen Deutschland 1871 und Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg. Was sich dabei herauskristallisiert, sind verschiedene Muster des Umgangs mit der Niederlage: Es wird die "Frage nach den Prinzipien", die gesiegt oder verloren haben, gestellt, man sieht sich als Märtyrer "einer allgemeinen Sache", man greift zurück auf, wie Schivelbusch es nennt, "Mythen im Wartestand". Andere mögliche Reaktionen: "Melancholie" oder gar eifriges Streben nach den Vorzügen der Sieger, so etwa nach dem Ersten Weltkrieg eine erste amerikanische "reeducation" mit "Lehrstunden in Betriebswirtschaftslehre, Industriepsychologie, Jazztanz und Propaganda". Der Autor, stellt Kaube fest, zeigt weder für die Sieger- noch für die Verliererseite Sympathien, einen "Helden der Niederlage" hat er aber doch: Leon Gambetta, der allen mythologischen Verkürzungen eine Absage erteilte. Jürgen Kaube findet das Buch durchweg anregend und interessant, hat jedoch einen sehr grundsätzlichen Einwand: Schivelbuschs Neigung, "Nationen als Kollektivsubjekte" zu betrachten, ihnen Bewusstsein und Mentalitäten zuzuschreiben, hält er, ohne einen Vorschlag für einen Gegenentwurf zu machen, für einen entschiedenen Fehler. Erstaunlich allerdings auch, so der Rezensent, dass dieses Problem den Genuss bei der Lektüre an keiner Stelle mindert.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2001
Niederlagen schweißen ein Volk dichter zusammen, lautet eine allgemein verbreitete Annahme, die aber nicht mehr ist als eine bloße Tröstung für den Verlierer, schreibt Rezensent Herfried Münkler. Wolfgang Schivelbusch hat sich der Frage angenommen, berichtet der Rezensent, welche politischen und sozialen Prozesse Niederlagen in Gang setzen. Mit großer Umsicht und Akribie habe der Autor drei große Niederlagen - der USA 1865, Frankreichs 1871 und Deutschlands 1918 - bis in ihre mikrohistorischen Details nachgezeichnet und einige bemerkenswerte Parallelen in der Bewältigung durch die jeweilige Gesellschaft entdeckt. Diese Strukturmuster, die der Autor an Politik, Literatur, ökonomischer und technologischer Entwicklung, Alltagsleben und Modetrends aufzeige, hätte er aber, kritisiert der Rezensent, noch deutlicher miteinander in Beziehung setzen können. Diese Leistung muss der Leser vollbringen, trotzdem ändert das kleine Manko nichts an Münklers Überzeugung, ein faszinierendes Buch gelesen zu haben.
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