Francois Dufay

Die Herbstreise

Französische Schriftsteller im Oktober 1941 in Deutschland. Ein Bericht
Cover: Die Herbstreise
Siedler Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783886807352
Gebunden, 192 Seiten, 18,41 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Tobias Scheffel. Am Abend des 4. Oktober 1941 begibt sich eine Gruppe französischer Schriftsteller vom Pariser Gare de l'Est auf die Reise nach Deutschland. Zu ihnen zählen überzeugte Faschisten wie Drieu la Rochelle oder Robert Brassilach, aber auch bedeutende "apolitische" Autoren wie Jacques Chardonne und Marcel Jouhandeau. Begleitet von Gerhard Heller, bei den deutschen Besatzungstruppen zuständig für das "Schrifttum", fährt die Reisegesellschaft durch Deutschland. Von Station zu Station zeigt sich, wie das Gift der Kollaboration in die Gedankenwelt der französischen Schriftsteller einwirkt. Francois Dufay zeigt anhand bislang unveröffentlichter Aufzeichnungen den äußeren Verlauf dieser Herbstreise, aber vor allem den inneren: die schleichende, dann ganz offene Kompromittierung der Intellektuellen durch den Nationalsozialismus.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2002

François Dufays Bericht von der legendären Deutschlandreise der mit Nazideutschland kollaborierenden französischen Schriftsteller im Jahr 1941 hat schon bei seinem Erscheinen in Frankreich hierzulande für Aufsehen gesorgt, berichtet Jürg Altwegg. Die deutsche Übersetzung habe nun den Vorteil, einige Ungenauigkeiten beseitigt zu haben sowie über einen zusätzlichen Bild- und Kartenteil zu verfügen, der die Reiseroute nach Weimar und darüber hinaus dokumentiert. Dufay packt die Sache eher impressionistisch an; die kulturpolitische Analyse sei nicht seine Stärke, so Altwegg, der sich an der Frivolität mancher Stellen stößt. Er berichtet von Marcel Jouhandeau, der Dufay zufolge der Verführungsstrategie Gerhard Hellers erlegen sei, der in Paris für die Zensur zuständig war und die Deutschlandreise der französischen Autoren organisiert hatte. Nicht Deutschland, sondern Deutsche wären das Objekt von Jouhandeaus Sehnsucht gewesen. Es bleibt unklar, ob und warum Altwegg nun an der Herausstellung dieser Tatsache Anstoß nimmt oder was ihm sonst Frivoles begegnet ist.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.10.2001

Wenig neues hat Thierry Chervel aus der "Herbstreise" von Francois Dufay mitgenommen. Eine Studie über die Verführbarkeit der Macht biete die Schilderung einer offiziellen Reise französischer Schriftsteller durch das nationalsozialistische Deutschland im Herbst 1941 nicht. Die Huldigungen der angepassten Autoren an die deutschen Machthaber haben wenig Aufhebens gemacht. Die Studie beleuchte zudem die Hintergründe der Reise unzureichend und lasse Quellenlage wie Forschungsstand im Dunkeln. Atmosphärischen Reiz spricht Chervel der "Herbstreise" vor dem Hintergrund zu, dass drei mitreisende Schriftsteller Homosexuelle waren und sich flugs in junge Nazis verliebten. Das hätte Chervel gern von Fassbinder verfilmt gesehen: "Drei zarte Satansbraten im Reich der blonden Bestien."

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2001

Einen kritischen Blick wirft Autor Francois Dufay auf den Leiter der "Arbeitsgruppe Schrifttum" der Wehrmacht im besetzten Frankreich, Leutnant Gerhard Heller, schreibt Rezensent Klaus Harpprecht. Schwerpunkt des Buches ist das europäische Dichtertreffen in Weimar im Jahre 1941, zu dem Heller nur unter Schwierigkeiten eine Abordnung französischer Autoren zusammenstellen konnte. Die meisten wollten nicht. Schließlich reisten Marcel Jouhandeau, Robert Brasillac, Jacques Chardonne, Ramon Fernandez, Drieu de la Rochelle, Abel Bonnard und Andre Fraigneau nach Weimar, Autoren, die dann auch pflichtschuldig "das 'Dritter Reich' als ein Land der wahren Freiheit priesen". Den Bericht über die Geschichte des Dichtertreffens, dessen Vorbereitungen und die Person Hellers findet Harpprecht "journalistisch lebhaft und recht nuanciert" geschrieben. Nur ein Anmerkungsapparat zum besseren Verständnis fehlt dem Rezensenten.

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