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Paul Celan, Hanne Lenz, Hermann Lenz
Paul Celan - Hanne und Hermann Lenz: Briefwechsel
Mit drei Briefen von Gisele Celan-Lestrange
Klappentext
Herausgegeben von Barbara Wiedemann in Verbindung mit Hanne Lenz. Die Freundschaft dieses Briefwechsels beginnt 1954. Aus der Berührung durch Texte, die sie voneinander kennen, noch bevor Celan auf einer Lesereise ins Haus des Ehepaares Hermann und Hanne Lenz als Gast kommt, entwickelt sich rasch ein ganz besonderes Verhältnis. Vom ersten Brief an schreibt Celan ein vertrauliches "Du". Es ist ein Briefwechsel zu dritt, ein lebendiges Gespräch ohne starre Formen, in dem sich die Beziehungslinien im Lauf der Zeit entwickeln und verändern – bis sie 1962 abreißen in den unheilvollen Verwicklungen der Goll-Affäre. Die Ausgabe vereinigt mit 137 Briefen, Postkarten, Grußkarten, Telegrammen und Gedichten den kompletten Briefwechsel, ergänzt durch Reproduktionen von Handschriften und Fotos.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.01.2002
Demonstrativ flott schreibt Michael Rutschky über den längst, wie er meint, als gottgleich in die "deutsche Geniereligion" eingemeindeten Dichter Paul Celan und seinen Briefwechsel mit den Freunden Hanne und Hermann Lenz. Den unseligen Plagiatsvorwürfen von Claire Goll - "eine eitle und verwahrloste Schlampe" (Rutschky) - und Celans Reaktion darauf rückt er mit psychoanalytischem Besteck zu Leibe: sie war, meint er, "die Gestalt jener mörderischen Mutter-Imago, die Melanie Klein entdeckt hat". Im Briefwechsel selbst geht es, neben der Goll- Geschichte, die Celan so quälte, vor allem um die Entstehung einer "vertrauensvollen Freundlichkeit" zwischen Celan und dem Ehepaar Lenz. Rutschky beendet seine Rezension mit Bemerkungen zu Paul Celan, schaudert ein wenig vor der faszinierenden Lyrik, die, meint er, "der Krankeit und dem Selbstmord unmittelbar geschichtsphilosophische Dignität" verleiht. In Wahrheit mache der Briefwechsel deutlich, dass Celans Leben geprägt war von einem "blinden und opaken Unglück", das man nicht durch angestrengte "Hermeneutik" überhöhen sollte.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.12.2001
Martin Meyer widmet diesem Briefwechsel eine sehr ausführliche und einfühlsame Kritik. Er scheint froh zu sein, dass die Dokumente einer zwischen 1954 bis 1961 währenden Freundschaft nicht "verloren" gegangen sind. Eingehend referiert er die Stationen dieser Freundschaft, von begeisterter Annäherung über wiederholte Differenzen bis zum Ende der Beziehung, das einer "lautlosen Explosion" gleicht, wie es der Rezensent formuliert. Meyer würdigt das Buch als wichtiges Zeugnis "zeitgeschichtlicher, vor allem aber ästhetischer und persönlicher Themen", wobei er darauf hinweist, dass es kaum etwas zu poetologischen bzw. hermeneutischen Fragen von Celans und Hermann Lenz' Werken beizusteuern hat.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2001
Vieles über den Dichter Paul Celan ist inzwischen entschlüsselt, weiß Kurt Oesterle. Der Briefwechsel zwischen Celan, dem Schriftsteller Hermann Lenz und dessen Frau Hanne hat dem Rezensenten aber tatsächlich noch neue Einsichten über Leben und Werk des Lyrikers beschert. Die Freundschaft zwischen den Dreien währte von 1954 bis 1962. Dann brach der Kontakt ab, weil Celan sich von dem Ehepaar enttäuscht fühlte. Immerhin hatten sie in dieser Zeit 137 Schriftstücke, darunter Postkarten, Telegramme und Widmungsgedichte, zu Wege gebracht, berichtet Oesterle. Die vorliegende Ausgabe findet der Rezensent reich kommentiert, erfreulicherweise von Barbara Wiedemann, eine ausgezeichnete Kennerin der "Goll-Affäre" und bestens vertraut mit den Problemen der Celan-Herausgeberschaft. Die Briefe zeigen für Oesterle in aller Deutlichkeit Celans unaufhaltsamen Weg in die Isolation, auf dem er auch das Ehepaar Lenz, das ihm in aller Freundschaft, privaten und beruflichen Unterstützung verbunden war, acht Jahre vor seinem Freitod in Paris verloren hatte.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2001
Sehr privat klingen die Einblicke, die dieser Briefwechsel Rezensent Ernst Osterkamp ermöglicht hat. Nirgendwo in Deutschland habe sich Celan so heimisch wie im Haus von Hanne und Hermann Lenz gefühlt, auf dessen vergessenes Werk diese Kritik ebenso neugierig macht. Als "gleichberechtigte Stimme in der Korrespondenz" spreche Hanne Lenz. Ein gemeinsames Thema mit Celan ist Osterkamp zu folge das Thema "Jude sein". Denn Hanne Lenz' Mutter war Jüdin, ihr Onkel Otto Warburg von 1911 bis 1920 Präsident der Zionistischen Organisation. Manchmal schwillt hier die Rezensentenstimme unangenehm pathetisch an: "hier das Haus, in dem der deutsche Dichter und seine Frau wohnen ... dort der staatenlose Jude Celan, für den es keine Rückkehr in ein 'Daheim' mehr gibt." Schließlich habe sich "wie Mehltau" die "elende Goll-Affäre" auch auf diesen Briefwechsel gelegt und zu einem Bruch in der Beziehung geführt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2001
Es gibt eine geradezu unübersehbare Zahl von Studien über den Dichter Paul Celan, "deren Mühlen Celans Werk allmählich zu zermahlen drohen", schreibt Peter Hamm über die Celan-Rezeption. Der Rezensent ist richtig erleichtert, ein authentisches Zeugnis des Dichters in den Händen zu halten. Der Briefwechsel zwischen Celan, dem Schriftsteller Hermann Lenz und dessen Frau Hanne begann 1954 und endete 1962 - acht Jahre vor dem Freitod des Dichters - nachdem Celan sich zunehmend von Feinden umgeben sah, das befreundete Ehepaar eingeschlossen. Der Briefwechsel dokumentiert für Hamm gleich mehrere wichtige Ereignisse im Leben Celans: die "Goll-Affäre", sein schwieriges Verhältnis zur Gruppe 47, seine zunehmende Isolation vom Literaturbetrieb, von Freunden und von der Familie. Aber nicht nur Celan ist hier für Hamm interessant, sondern auch Lenz, der in dem Briefwechsel selten ohne Ironie von seinen Werken spreche, Seitenhiebe gegen arrivierte Kollegen austeile und dabei, ob beabsichtigt oder nicht, manches erzählerische Kabinettsstückchen verfasst habe.
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