Perlentaucher - Das Kulturmagazin

Anmelden | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 19.03.2010, 09.22 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Paul Celan, Hanne Lenz, Hermann Lenz

Paul Celan - Hanne und Hermann Lenz: Briefwechsel

Mit drei Briefen von Gisele Celan-Lestrange

Cover: Paul Celan - Hanne und Hermann Lenz: Briefwechsel

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN-10 3518412728
ISBN-13 9783518412725
Gebunden, 256 Seiten, 20,45 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Herausgegeben von Barbara Wiedemann in Verbindung mit Hanne Lenz. Die Freundschaft dieses Briefwechsels beginnt 1954. Aus der Berührung durch Texte, die sie voneinander kennen, noch bevor Celan auf einer Lesereise ins Haus des Ehepaares Hermann und Hanne Lenz als Gast kommt, entwickelt sich rasch ein ganz besonderes Verhältnis. Vom ersten Brief an schreibt Celan ein vertrauliches "Du". Es ist ein Briefwechsel zu dritt, ein lebendiges Gespräch ohne starre Formen, in dem sich die Beziehungslinien im Lauf der Zeit entwickeln und verändern – bis sie 1962 abreißen in den unheilvollen Verwicklungen der Goll-Affäre. Die Ausgabe vereinigt mit 137 Briefen, Postkarten, Grußkarten, Telegrammen und Gedichten den kompletten Briefwechsel, ergänzt durch Reproduktionen von Handschriften und Fotos.

Möchten Sie dieses Buch kommentieren?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.01.2002

Demonstrativ flott schreibt Michael Rutschky über den längst, wie er meint, als gottgleich in die "deutsche Geniereligion" eingemeindeten Dichter Paul Celan und seinen Briefwechsel mit den Freunden Hanne und Hermann Lenz. Den unseligen Plagiatsvorwürfen von Claire Goll - "eine eitle und verwahrloste Schlampe" (Rutschky) - und Celans Reaktion darauf rückt er mit psychoanalytischem Besteck zu Leibe: sie war, meint er, "die Gestalt jener mörderischen Mutter-Imago, die Melanie Klein entdeckt hat". Im Briefwechsel selbst geht es, neben der Goll- Geschichte, die Celan so quälte, vor allem um die Entstehung einer "vertrauensvollen Freundlichkeit" zwischen Celan und dem Ehepaar Lenz. Rutschky beendet seine Rezension mit Bemerkungen zu Paul Celan, schaudert ein wenig vor der faszinierenden Lyrik, die, meint er, "der Krankeit und dem Selbstmord unmittelbar geschichtsphilosophische Dignität" verleiht. In Wahrheit mache der Briefwechsel deutlich, dass Celans Leben geprägt war von einem "blinden und opaken Unglück", das man nicht durch angestrengte "Hermeneutik" überhöhen sollte.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.12.2001

Martin Meyer widmet diesem Briefwechsel eine sehr ausführliche und einfühlsame Kritik. Er scheint froh zu sein, dass die Dokumente einer zwischen 1954 bis 1961 währenden Freundschaft nicht "verloren" gegangen sind. Eingehend referiert er die Stationen dieser Freundschaft, von begeisterter Annäherung über wiederholte Differenzen bis zum Ende der Beziehung, das einer "lautlosen Explosion" gleicht, wie es der Rezensent formuliert. Meyer würdigt das Buch als wichtiges Zeugnis "zeitgeschichtlicher, vor allem aber ästhetischer und persönlicher Themen", wobei er darauf hinweist, dass es kaum etwas zu poetologischen bzw. hermeneutischen Fragen von Celans und Hermann Lenz' Werken beizusteuern hat.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2001

Vieles über den Dichter Paul Celan ist inzwischen entschlüsselt, weiß Kurt Oesterle. Der Briefwechsel zwischen Celan, dem Schriftsteller Hermann Lenz und dessen Frau Hanne hat dem Rezensenten aber tatsächlich noch neue Einsichten über Leben und Werk des Lyrikers beschert. Die Freundschaft zwischen den Dreien währte von 1954 bis 1962. Dann brach der Kontakt ab, weil Celan sich von dem Ehepaar enttäuscht fühlte. Immerhin hatten sie in dieser Zeit 137 Schriftstücke, darunter Postkarten, Telegramme und Widmungsgedichte, zu Wege gebracht, berichtet Oesterle. Die vorliegende Ausgabe findet der Rezensent reich kommentiert, erfreulicherweise von Barbara Wiedemann, eine ausgezeichnete Kennerin der "Goll-Affäre" und bestens vertraut mit den Problemen der Celan-Herausgeberschaft. Die Briefe zeigen für Oesterle in aller Deutlichkeit Celans unaufhaltsamen Weg in die Isolation, auf dem er auch das Ehepaar Lenz, das ihm in aller Freundschaft, privaten und beruflichen Unterstützung verbunden war, acht Jahre vor seinem Freitod in Paris verloren hatte.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2001

Sehr privat klingen die Einblicke, die dieser Briefwechsel Rezensent Ernst Osterkamp ermöglicht hat. Nirgendwo in Deutschland habe sich Celan so heimisch wie im Haus von Hanne und Hermann Lenz gefühlt, auf dessen vergessenes Werk diese Kritik ebenso neugierig macht. Als "gleichberechtigte Stimme in der Korrespondenz" spreche Hanne Lenz. Ein gemeinsames Thema mit Celan ist Osterkamp zu folge das Thema "Jude sein". Denn Hanne Lenz' Mutter war Jüdin, ihr Onkel Otto Warburg von 1911 bis 1920 Präsident der Zionistischen Organisation. Manchmal schwillt hier die Rezensentenstimme unangenehm pathetisch an: "hier das Haus, in dem der deutsche Dichter und seine Frau wohnen ... dort der staatenlose Jude Celan, für den es keine Rückkehr in ein 'Daheim' mehr gibt." Schließlich habe sich "wie Mehltau" die "elende Goll-Affäre" auch auf diesen Briefwechsel gelegt und zu einem Bruch in der Beziehung geführt.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2001

Es gibt eine geradezu unübersehbare Zahl von Studien über den Dichter Paul Celan, "deren Mühlen Celans Werk allmählich zu zermahlen drohen", schreibt Peter Hamm über die Celan-Rezeption. Der Rezensent ist richtig erleichtert, ein authentisches Zeugnis des Dichters in den Händen zu halten. Der Briefwechsel zwischen Celan, dem Schriftsteller Hermann Lenz und dessen Frau Hanne begann 1954 und endete 1962 - acht Jahre vor dem Freitod des Dichters - nachdem Celan sich zunehmend von Feinden umgeben sah, das befreundete Ehepaar eingeschlossen. Der Briefwechsel dokumentiert für Hamm gleich mehrere wichtige Ereignisse im Leben Celans: die "Goll-Affäre", sein schwieriges Verhältnis zur Gruppe 47, seine zunehmende Isolation vom Literaturbetrieb, von Freunden und von der Familie. Aber nicht nur Celan ist hier für Hamm interessant, sondern auch Lenz, der in dem Briefwechsel selten ohne Ironie von seinen Werken spreche, Seitenhiebe gegen arrivierte Kollegen austeile und dabei, ob beabsichtigt oder nicht, manches erzählerische Kabinettsstückchen verfasst habe.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Bücher von Lesern empfohlen

Buch: Eine iranische Liebesgeschichte zensierenShahriar Mandanipur: Eine iranische Liebesgeschichte zensieren
Aus dem Englischen von Ursula Ballin. Ein iranischer Schriftsteller ist es leid, immer nur düstere Romane ...

Buch: Dein Gesicht morgenJavier Marias: Dein Gesicht morgen
Aus dem Spanischen von Elke Wehr. "Wollte Gott, dass niemand uns jemals um etwas bittet oder auch nur fragt, ...

Archiv: Bücherschauen

Dichtung und Tischtennis

18.03.2010: Als tieftraurig und hochkomisch zugleich preist die SZ Jan Faktors Roman mit dem Monster-Titel "Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder Im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag". Die FR lobt den Roman ebenfalls, aber mit Vorbehalten gegen seine Lustigkeit. Hingerissen ist sie auch von Nicholson Bakers Lyriker-Roman "Der Anthologist". Die FAZ schwärmt von Hans-Ulrich Treichels Berliner Heimatlosigkeitsroman "Grunewaldsee". Für die heute erschienene Literaturbeilage der Zeit werden wir noch ein paar Tage brauchen.
Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Francois Walter: Katastrophen

15.03.2010: Für die Natur gibt es keine Katastrophen, nur für die Menschheit. Der Schweizer Historiker Francois Walter hat eine Kulturgeschichte ihrer Bewältigung geschrieben und der Sinnsuche des Menschen: Strafe Gottes, Prüfung der Gottesfürchtigen sowie Ansporn zu neuen technischen Entwicklungen. Hier eine Leseprobe aus "Katastrophen". Mehr lesen

Betina Gonzalez: Nach allen Regeln der Kunst

11.03.2010: Im Erstlingsroman der Argentinierin Betina Gonzalez begibt sich eine Tochter auf die Suche nach den Spuren ihres Vaters, eines mittelmäßigen Bildhauers, und nimmt Kontakt mit seinen Geliebten auf. Hier eine Leseprobe aus "Nach allen Regeln der Kunst". Mehr lesen

Necla Kelek: Himmelsreise

08.03.2010: Passend zum 8. März: Necla Kelek kämpft in ihrem neuen Buch für eine aufgeklärte Lesart des Koran, informiert über Entstehung und Hintergründe und stellt fest: Auf den Koran kann sich nicht berufen, wer für Kopftuch und fünf Pflichtgebete am Tag plädiert. Lesen Sie hier ein Kapitel aus "Himmelsreise". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren