Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Klappentext
Randolf K. soll auf Wunsch seiner reichen Erbtante, die mit dem Verfassen von Trivialromanen ein schier unglaubliches Vermögen angesammelt hat, einen Familienroman schreiben. Natürlich gegen ein fürstliches Honorar, das ihn endlich von seinen Schulden erlösen würde. Doch wo um alles in der Welt soll man anfangen, in einer Familie wie dieser? Bei Alexander K., der an einem bis heute unbekannten Bakterium zugrunde ging, das sich in einer der zahlreichen Konservenbüchsen versteckt hielt, die er regelmäßig zu leeren pflegte? Oder am Sadomasochisten Gandolf?
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Ingomar von Kieseritzky bei C.H. Beck
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.02.2002
Ein Familienroman - das funktioniert schon lang nicht mehr. Darüber sind sich Autor und Kritiker einig. Darum schreibt Kieseritzky "seinen" Familienroman denn auch "als Buch im Buch und als Dokument des Versagens", weshalb wiederum Lutz Hagestedt hellauf begeistert sein kann über diesen Roman. Kein Familienroman also. Stattdessen würdiger Teil eines von Hagestedt sehr geschätzten Oeuvres. Das liegt zum einen am enzyklopädischen Blick des Autors auf das menschlich Fragwürdige und Abgründige, zum andern, gibt uns der Rezensent zu verstehen, liegt es an seiner stilistischen Eleganz. Einen "Vermeer des Wortes" nennt Hagestedt ihn, weil Kieseritzky noch die mannigfachen organischen Unpässlichkeiten seiner Figuren (zu hohe Stuhlfrequenz z.B.) "sehr lecker und anschaulich" darbietet. Nun ja. Dass es auch anderweitig "überaus sinnlich" zugeht im Buch, versichert uns der Rezensent, und, ehrlich: "Das einzige, was an diesem Buch nicht geglückt ist, ist die Umschlaggestaltung." Was für ein Kompliment!
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.2001
Rezensent Martin Halter liebt das Buch, obwohl er es als Familienroman nicht wirklich überzeugend findet. Autor Kieseritzky schreibe, um das "totgesagte Genre" noch einmal zu fleddern. Dabei bleibe er der "kultivierten Sprache und der Contenance" seiner Ahnen treu. Für einen Familienroman aber, der die eigene Geschichte "nicht bloß als Kuriositätenkabinett und Material entfesselter Komik" nehme, fehlt es Kieseritzky nach Ansicht des Rezensenten am "Mut zur Selbstentblößung". Der Autor sei halt schon immer "mehr sarkastischer Schwadroneur und anekdotischer Causeur" als Erzähler gewesen. Trotzdem hat sich Halter offensichtlich sehr amüsiert. Kieseritzky sei der letzte "Gentleman der deutschen Literatur", schreibt er. Für die "blöde Realität" habe er nur Spott übrig. Dafür sei er "einer unserer begnadetsten Humoristen" und "very sophisticated" - auch wegen der von Rezensenten als so durchaus authentisch beurteilten "eleganten Sottisen, heiteren Nostalgie und artistischen Ironie". Der Familienroman des "Unglücksraben Kieseritzky" sei deshalb noch "im Scheitern gelungen".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2001
Der "englischste Humorist, den wir Deutschen haben", schwärmt Gabriele Killert von Kieseritzky, in jedem Fall sehr "sophisticated" und wegen seiner sehr ironischen, haarsträubenden, komischen Geschichten über seltsame Menschen von einem kleinen Publikum, zu dem wir Frau Killert rechnen, hoch verehrt und vom großen Lesepublikum geschmäht. Killert bricht also eine Lanze für diesen ironiefähigen Schriftsteller, der für sie nach dem Motto schreibt: "nur eine verlorene Sache kann einen Gentleman interessieren". Nachdem von Kieseritzky bereits Travestien des Bildungs-, Reise- und Liebesromans geschrieben hat, begibt er sich hier auf das Terrain des Familienromans, heißt es bei Killert, wobei der Roman im Roman natürlich tragisch und vorzeitig scheitern muss. Kieseritzkys Bücher weisen ins Humoreske und Groteske, meint Killert; lesen mag ihn, wer nicht "seine Lebensprosa" in Romanen wiederzufinden trachtet, sondern Sinn für Phantastisches und Komik hat.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.08.2001
Eberhard Falcke kann dem neuen Roman Kieseritzkys einiges abgewinnen: Er sei unterhaltsam, komisch und amüsant. Jedenfalls bis zur Hälfte. Dann jedoch vermisse man eine konzentrierte Hauptlinie, der Autor verzettele sich allzu sehr in seine skurrilen Typen - den Mittfünfziger Randolf von K. und seine steinreiche Tante Milly. Ein Familienroman soll Randolf auf Geheiß seiner Tante schreiben, und zwar "in der schönen Manier von Agatha Christie!" Leider versagt er, und nicht nur das: Er stirbt, und zwar ausgerechnet im Orient-Express. Da der Literatur liebende Schaffner Vicovic Randolfs Aufzeichnungen stiehlt, komme der Leser in den Genuss dieser Geschichte ...
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