Im ersten Teil des Buches wird in einer Reihe von Dokumenten die Entstehung dieses neuen Wissens von Überschallvorgängen ausführlich dargestellt. Diesen Aufzeichungen, mit denen zum ersten Mal exemplarisch ein wichtiges Stück von Machs Arbeits- und Denkweise ediert wird, stellen die Herausgeber eine Analyse des komplexen Experimentierprozesses und seiner Medien zur Seite. Der zweite Teil des Buches versammelt medien-, wissenschafts- und kunsthistorische Arbeiten, mit denen verschiedene Autorinnen und Autoren die Vor- und Nachgeschichten des Mach/Salcherschen Experiments aufspannen. Die Beiträge führen von der Geschichte des Schalls über Medien der Physik, wie Wasser und Luft, auf technische Schnittstellen: elektrische Funken und Fotografie.
Ein Buch wie dieses zur Wissenschaftsgeschichte, sei ohne Foucault nicht denkbar, behauptet Daniel Tyradellis und konstatiert zugleich eine Abwendung von der ideengeschichtlichen Wissenschaftshistorie zu einem "neuen Experimentalismus" hin, der für eine heterogene und interdisziplinäre Forschungsbewegung steht. Der vorliegende Band geht zurück auf eine Tagung an der Universität Frankfurt/ Oder im Jahr 1998, bei der sich die Tagungsteilnehmer mit einer einzigen Versuchsanordnung beschäftigt haben, nämlich der Geschossfotografie von Mach/Salcher aus den 80er Jahren des vorletzten Jahrhunderts. Das Buch ist mit vielen Fotos versehen, schreibt Tyradellis, und dokumentiert ausführlich dieses für die Entwicklung der Fotografie so wichtige Experiment. An den Materialteil schließen sich zehn Beiträge von Wissenschafts-, Kunst- und Medienhistorikern an, dessen ausführlichster von Herausgeber Peter Berz sich mit den strahlenphysikalischen Forschungen Machs beschäftigen und eine Spur aufnehme, die sich von der Entwicklung der Düse und des Überschalls über Peenemünde und die V 2 bis hin nach Amerika und seinen Testpiloten ziehe. Alles in allem ist der Band dem Rezensenten manchmal etwas zu faktenversessen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.08.2001
Experiment gelungen, meint Ulrich Kühne. Was die zwölf Beiträger hier zum Ereignis der Mach-Salcherschen Experimente an Geschichten zu erzählen haben, ergibt für unseren Rezensenten "in der Summe ihrer Bezüge ein Netz über die Kultur der letzten zwei Jahrhunderte" und tatsächlich so etwas wie eine Möglichkeit, mit neuen Formen Wissenschaftsgeschichte zu betreiben. Zwar will Kühne auf den ersten 170 Seiten davon noch nicht viel merken (Hintergrund und Technik der Geschossexperimente werden beschrieben, Dokumente, wie Machs Notizen, wiedergegeben), dafür aber muss es in den anschließenden Kapiteln um so bunter zugehen: "eine schöne Ansammlung freier Assoziationen mit Bezügen zu diesem und jenem" - den Rezensenten verführt's richtig zum Schmökern. Daran, dass es dem Band an einer Synthese mangelt, die die einzelnen Erzählstränge verbindet, stört er sich am Ende eigentlich gar nicht.
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