Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Schwedischen von Verena Reichel. Die Geschichte eines kleinen schwarzen Jungen, der Ende des 19. Jahrhunderts von wohlmeinenden Weißen nach Schweden gebracht wurde und sich dort nach seiner warmen Heimat zu Tode sehnt.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.01.2002
Hannelore Schlaffer schätzt Mankells Kriminalromane mehr als seine sogenannt "afrikanischen" Romane: letztere seien weniger spannend und hätten in diesem besonderen Fall etwas von einem gutgemeinten Erziehungsroman. "Die rote Antilope" ist nämlich ein Roman über ein Kind und insofern vielleicht auch für Kinder geschrieben, aber vor allem, so Schlaffer etwas bissig, "für kindliche Gemüter". Mankell hat die Handlung ins 19. Jahrhundert verlegt: Ein Käfersammler geht auf Forschungsreise nach Afrika und bringt außer Käfern auch einen Jungen mit, dem er gute europäische Bildung angedeihen lassen will. Aber der junge edle Wilde lässt sich natürlich nicht verbilden, lautet die Kurzzusammenfassung durch die Rezensentin. Die Figur des Knaben wiederum diene Mankell zur gemäßigten europäischen Selbst- und Zivilisationskritik "in homöopathischen Dosen", wie Schlaffer moniert. Im übrigen findet sie, dass es Mankell der Empörung und Selbstschmeichelei des modernen postkolonialen Lesers einfach macht - zu einfach.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.09.2001
Henning Mankell, der schwedische Bestseller-Autor, hat sich einen Traum erfüllt und verbringt die Hälfte des Jahres in Maputo in Mosambik und leitet dort ein Theater, informiert Christine Holliger. Die Zweigeteiltheit des Lebens spiegelt sich auch in Mankells neuem Roman. Der schwedische Insektenforscher Hans Benglen begibt sich 1877 auf eine Reise in die Kalahari nach Deutsch-Südwestafrika, findet dort in einem Verschlag einen verwahrlosten Waisen, den er Daniel nennt, adopiert und mit nach Schweden zurücknimmt. Dort stirbt der Junge an Heimweh, erzählt die Rezensentin über den Inhalt. Der Vorstellungskraft von Mankell mochte Holliger nicht ganz folgen, denn vieles ist ihr zu klischeehaft: Mankell beschwöre hier eine Exotik, die einer seriösen Vorstellung entbehre. So kritisiert Holliger drastisch zugespitzte Beispiele, die der Autor wählt, um die kulturelle Differenz zwischen den Schweden und dem afrikanischen Jungen zu illustrieren, etwa wenn Daniel in die Kirche als Opfergabe in den Klingelbeutel eine Kreuzotter legt, weil die Schlange in Afrika als Nahrungsmittel etwas Positives ist. Einzig die Zeichnung der Figur Benglers findet Holliger nachvollziehbar.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.08.2001
In einer Doppelrezension bespricht Dominic Johnson zwei Bücher von Henning Mankell, in denen es jeweils um entwurzelte afrikanische Kinder geht - ein Thema, das nach Johnson gerade schwer en vogue ist.
1.) Henning Mankell: "Der Chronist der Winde"
Hier geht es, wie der Leser erfährt, um den zehnjährigen Nelio, der ein Massaker überlebt und Führer einer Straßenkindergang wird. Die Art, wie Mankell dies darstellt, erscheint Johnson zwar verkünstelt und theatralisch, doch insgesamt findet er das Buch "durch seine schlichte und unprätentiöse Schilderung kindlichen Überlebenswillens" überzeugend. Johnson ist sich sicher, dass der Leser nach der Lektüre dieses Buchs die "Straßenkinderrudel in Afrika, diese lästige Begleiterscheinung der rapiden Verstädterung", mit anderen Augen betrachten wird, nämlich menschlicher. "Selten wurde der Irrsinn des 'stundenweisen Überlebens' so ergreifend nahe gebracht", meint Johnson.
2.) Ders.: "Die rote Antilope"
Johnson findet dieses Buch abstoßend, wobei nicht wirklich deutlich wird, ob sich dies auf das Buch insgesamt bezieht oder vielmehr auf die Tatsache, dass die Schweden von Mankell als "dermaßen ekelhaft" geschildert werden, dass es für den Rezensenten kaum noch erträglich ist. Deutlich wird jedoch ohne Zweifel, dass Johnson Mankells Buch "Der Chronist der Winde" für das bessere hält. In "Die rote Antilope" wird nicht nur der zehnjährige Molo, der von Afrika nach Schweden entführt wird, von Albträumen gepeinigt, sondern offenbar auch der Leser: "Immer dann, wenn es schlimmer nicht mehr kommen kann, wird es erst recht schlimm", findet Johnson. Der Rezensent diagnostiziert in dieser "lakonisch erzählten Geschichte" eine "schnörkellose Unerbittlichkeit".
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.08.2001
Für Susanne Mayer steht fest: Die Afrika-Bücher des Bestseller-Autors Henning-Mankell - "Die rote Antilope" ist das vierte - sind leidenschaftliche Plädoyers für die Wahrnehmung der Agonie des Schwarzen Kontinents und plastische Dokumente der Verzweiflung. Im neuen Roman kreuzen sich die Biografien des Käferforschers Hans Bengler, der in die Wüste geflohen ist, um dort den Sinn seines Lebens zu ergründen und seines Adoptivsohnes Daniel, den er aus Afrika mit nach Schweden nimmt und dort seinem Schicksal überlässt, erzählt die Rezensentin. Die Geschichte hat sie mit "abgrundtiefer Traurigkeit" erfüllt, dennoch ist es ihr, betont Mayer, nicht gelungen, das Buch aus der Hand zu legen. Denn Mankell erzähle mit betörender Eindringlichkeit, in Bildern und Sequenzen Träume, die die Tiefenstruktur einer schuldhaften Verstrickung der weißen Herrenmenschen in das Leben der Schwarzen offenbarten. Auch wenn Mankell am Ende Anlass zur Hoffnung geben wolle: Mayer hat das Buch gänzlich ungetröstet zugeklappt.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Petur Gunnarsson: punkt punkt komma strich
Aus dem Isländischen von Benedikt Grabinski. Eine isländische Kindheitsgeschichte, die am Ende des Zweiten ...
Moti Kfir, Ram Oren: Sylvia Rafael
Als bei den Olympischen Spielen in München im September 1972 elf israelische Sportler von einer palästinensischen ...
Archiv: Bücherschauen
Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








