Herausgegeben und mit einem Nachwort von Michael Töteberg. Brecht lobte ihren Sinn für sprachliche Schönheiten und ihre Kenntnis des proletarischen Milieus, er wußte beides für sich und sein Werk zu nutzen. Doch Margarete Steffin hat nicht bloß dem Dichter zugearbeitet, sondern selbst geschrieben, literarische Texte, die sich durch einen eigenen, unverwechselbaren Tonfall auszeichnen. Den schwierigen, von Krankheit und Exil geprägten Lebensverhältnissen abgerungen, waren diese Arbeiten lange verschollen und werden erst jetzt entdeckt. "Wir hatten zwei kleine Stuben, und es ging uns nicht gut, nicht schlecht." Liebesgeschichten, in denen aber immer die Sehnsucht nach einem besseren Leben spürbar ist. Proletarierparterre und Poesie schließen sich nicht aus: Im kleinen Leben wohnt der große Schmerz.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 02.08.2001
Peter Böthig beklagt die Schnellebigkeit des Buchmarktes: Obwohl 1991 bereits eine Auswahl von Gedichten und Erzählungen von Margarethe Steffin erschienen und in der "Frankfurter Rundschau" sogar als "kleine Sensation" gefeiert wurde, verschwand sie schnell aus den Buchläden und war selbst in Antiquariatslisten nur noch selten aufzuspüren, bedauert er. Um so verdienstvoller findet er deshalb die Neuherausgabe einer Auswahl der nachgelassenen Schriften der Margarethe Steffin, einer von den Frauen, die Brecht auf einem Lebensabschnitt begleiteten, mit ihm lebten, arbeiteten und unter ihm litten. Letzteres lässt sich zumindest aus den überwiegend autobiografischen Erzählungen dieser bereits mit 33 Jahren Verstorbenen vermuten, wie man Böthigs Rezension entnehmen kann. Ursache ihres Unglücks war nicht allein ihr privates Verhältnis zu Brecht, sondern auch ihr mangelndes literarisches Selbstbewusstsein, erfährt man hier. Böthig sieht dazu keinen Anlass, im Gegenteil: Er findet, dass sich die Erzählungen und Gedichte dieser aus dem Arbeitermilieu stammende Autorin durch "Knappheit, durch ungeheure soziale Genauigkeit und durch eine sprachliche Sicherheit" auszeichnen und eine Würde besitzen, der sich der Leser kaum entziehen könne.
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