Die Zeit des frühen chinesischen Mittelalters (ca. 200-600 n.Chr.) gehört zu den am wenigsten erforschten Perioden der chinesischen Geschichte. Die verwirrende Fülle zumeist kurzlebiger Dynastien sowie die Tatsache, dass die gesamte nördliche Reichshälfte zu Beginn des 4. Jahrhunderts von nichtchinesischen Nomadenstämmen erobert worden war, haben dieser Zeit bislang ein Schattendasein innerhalb der sinologischen Diskussion beschert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.08.2001
Michael Lackner lobt in seiner ausführlichen und fachkundigen Rezension die letztjährige Neuerscheinung über das chinesische Frühmittelalter als "Gewinn für den Sinologen". Der Rahmen: Zwischen dem 3. und 5. Jh. n. Chr. wanderte aus dem Norden Chinas sechzig Prozent der dortigen Aristokratie in den Süden aus, um sich im Gebiet südlich des Yangtse anzusiedeln. "Vieles von dem, was wir heute mit der Kultur des traditionellen China verbinden, ist jener Epoche zu verdanken", Kalligraphie und der Buddhismus etwa, so Lackner. Die Auswirkung auf heute: Der Süden empfinde sich gegenüber dem rauen Norden wegen feinerer Küche, höflicherer Umgangsformen und schönerer Sprache als höher zivilisiert. Geistige Verortung fand die "Ära der Südlichen und Nördlichen Dynastien" bei einer buddhistisch geprägten, geistigen Elite, die sich in der Villa des Prinzen Xiao Ziliang (460 - 494) traf: Sie "klassifizierten - durchaus in spielerischem Geist - Maler, Kalligraphen, Literaten und vor allem Schachspieler aus alter und neuer Zeit gemäß den in jener Epoche so beliebten Schemata der Rangordnung.". Die Aufstellung eines kulturellen Kanon also, so Lackner. Der Autor zeige, "zu welch hohem Grad die aus der prinzlichen Villa hervorgegangenen Gedanken das politische, soziale, religiöse und kulturelle Programm der Gründungsphase der Liang-Dynastie (502-557) geprägt haben."
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