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Aby Warburg
Aby M. Warburg: Gesammelte Schriften.
7. Abteilung, Band VII 1: Tagebuch der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg
Klappentext
Herausgegeben von Karen Michels und Charlotte Schoell-Glass. Von August 1926 bis Oktober 1929 führten Warburg, Gertrud Bing und Fritz Saxl gemeinsam ein institutionelles Tagebuch. Dieses Journal dokumentiert in 9 Bänden ausführlich die ersten Jahre der Bibliothek Warburg im neuen Gebäude in der Heilwigstraße 116 sowie Warburgs letzte Reise nach Rom. Die Dokumentation hält kleinste Details des Alltagslebens der neuen Institution ebenso fest, wie weit in die Zukunft weisende Forschungspläne. Sie gibt vor allem Einblick in Warburgs Arbeitsweise, die in hohem Maße auf den intellektuellen Austausch mit gleichgesinnten Kollegen ausgerichtet war. Das Tagebuch der K.B.W. stellt eine fundamentale Quelle zur Erforschung der Geistes- und Kulturgeschichte der 20er Jahre dar und gibt einen Einblick in die vielfältigen Bemühungen um die Institutionalisierung der Kulturwissenschaft.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.03.2002
Warburgs Tagebuch der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg (KBW) versammelt Aufzeichnungen unterschiedlichster Art, erklärt Rezensent Helmut Färber, es ist eine Bibliotheks-, Besucher- und Mitarbeiter-Chronik, die geleistete und zu leistende Tagesarbeiten interner wie auch bibliothekspolitischer, kulturpolitischer Unternehmungen ebenso verzeichnet wie Forschungsnotizen, Entwürfe, Gedanken, Schemata, Hinweise. Dieses Tagebuch, das Warburg zusammen mit seinen leitenden Mitarbeitern Gertrud Bing und Fritz Saxl führte, dokumentiert nach Färber, welch "einzigartiges geistiges Zentrum" die KBW mit ihren zahlreichen prominenten Besuchern, Kunsthistorikern, Archäologen und Litarurwissenschaftlern damals war. Für den Rezensenten brilliert Warburg durch Witz, "durchdringen Scharfblick", "virtuoser Sprachschärfe", Menschenkenntnis und Großmut. Die Begeisterung des Rezensenten wird indes durch die vorliegende Edition etwas gedämpft. Er kritisiert die schlechte Kommentierung, die den Band "nur sehr unzulässig erschließt"; ein Sachregister, ein Register zu den Hauptbegriffen und eine Zeittafel fehlen ganz, was den Leser dazu nötige, selbst die "Herausgeberarbeit nachzuholen".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.03.2002
Ein "höchst eigenartiges Schreibebuch" hat Barbara von Reibnitz gelesen: Ein Tagebuch, in dem Sätze wie "Fräulein Bing! Please: Sing!" oder "Saxl, Saxl, einschreiben!" vorkommen. Deren Urheber ist Aby Warburg, der im Mai 1926 in Hamburg den Neubau der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek (KBW) eröffnete, in dem Warburg seine mehr als 46000 Bände umfassende Privatsammlung der Öffentlichkeit zur Verfügung stellte. Mit dem Einzug beginnen die Eintragungen, die Warburg bis zu seinem Tod 1929 auf weit über tausend Seiten fixierte und die im Rahmen einer Studienausgabe von Warburgs Gesammelten Schriften von Karen Michels und Charlotte Schoell-Glass im Berliner Akademie-Verlag herausgegeben worden sind. Leser, die ein "sprödes Bibliotheksjournal" erwarteten, sind, so Reibnitz, schief gewickelt: "Sie geben Einblick in die höchst aufwendige innere Organisation der KBW, und sie dokumentieren ... die öffentliche Resonanz, die es erreichte. Hier gingen nicht nur Wissenschafter, sondern auch Politiker und andere Repräsentanten des öffentlichen Lebens ein und aus." Gefallen findet die Rezensentin neben dem Warburgschen Sprachwitz und dessen Ironie besonders an Warburgs Assistentin und Diskussionspartnerin Gertrud Bing, einer von Cassirer promovierten Philosophin, deren "kluge und kritische Stimme" nun zum ersten Mal "eigenständig vernehmbar wird". Auch mit der editorischen Arbeit der beiden Herausgeberinnen ist Reibnitz zufrieden. Einzig die fehlende Kommentierung bemängelt sie.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.06.2001
Aus der Perspektive eines Besuchers anno 1926 stellt uns Wolfgang Kemp die Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg vor. Geschickt gelingt ihm die Überleitung zur eigentlichen Besprechung mit dem Eintrag über den Besucher in das Tagebuch des KBW, diesem merkwürdigen Privat-Institut, dessen Qualitäten vor allem lagen "in der Organisation: der Menschen, der Räume, der Bücher, Fotografien und Texte." Kemp gefällt das Buch sehr. Als Steinbruch für die "Weiterarbeit an den Themen Warburg, Hamburger Schule der Kunstgeschichte, deutsche Kulturwissenschaft der Zwischenkriegszeit" und "einzigartiges Medium einer intellektuellen und institutionellen Selbstverständigung ... aufschlussreich für die Wissenschafts- wie für die Mediengeschichte." Ein Buch, so schreibt Kemp, das Warburg nicht zuletzt dazu benötigt habe, "um als Feind allen linearen Denkens zu einer sinnfälligen Layoutform seiner Ideen vorzustoßen".
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