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Klappentext
Herausgegeben und kommentiert von Marina Dmitrieva-Einhorn. Der Briefwechsel zwischen Paul Celan und seinem gleichaltrigen Jugendfreund Erich Einhorn (1920-1974) umfasst 16 Briefe, geschrieben zwischen 1944 und 1967. Die gleiche Sprache und die gleiche politische Einstellung verband sie: gemeinsam haben sie den Aufstand der Wiener Arbeiter im Februar 1934 und den spanischen Bürgerkrieg verfolgt. Sie teilten wohl auch, unausgesprochen, die Erfahrung des Grauens, mit der sie, wie alle Überlebenden der Massenvernichtung, in der hektischen "Normalität" der Nachkriegszeit aufs schrecklichste einsam waren. Celan ging nach dem Krieg zunächst nach Wien, 1948 nach Paris, wo er sich 1970 das Leben nahm. Erich Einhorn blieb in Russland und arbeitete seit 1950 in Moskau als Übersetzer und Redakteur. Er war mit vielen Literaten und Musikern befreundet, kannte die Witwe von Ossip Mandelstam, Ilja Ehrenburg und den Komponisten Philip Herschkowitz. Hauptgegenstand des Briefwechsels ist die Literatur. Nirgends sonst wird, zumindest für den nichtphilologischen Leser, so deutlich, wie vertraut Celan mit der russischen Literatur war und wie sehr sie ihm, lange Zeit, als geistige Heimat galt.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.03.2002
Tot ist der traurige Dichter schon lange, doch still ist es um ihn längst nicht geworden: In einer Sammelbesprechung hat sich Ernst Osterkamp neue Publikationen von und über Paul Celan vorgenommen. Der Friedenauer Presse ist der FAZ-Kritiker dankbar, dass sie den kleinen - gerade einmal 16 Stücke umfassenden -, aber "wichtigen Briefwechsel" zwischen Celan und dessen Freund aus der Zeit in Czernowitz Erich Einhorn einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich macht. Das Gros der Briefe stammt aus den Jahren 1962 und 1963, als Celan seinen vierten Gedichtband "Die Niemandsrose" fertig stellte. Daneben fallen Osterkamp besonders die bitteren Briefe Celans aus den Jahren davor und danach ins Auge: So Celans Resumée der Kriegsjahre von 1944: "Ich habe nur Demütigungen erlebt und Leere, unendliche Leere". Oder Celans Abrechnung mit der Nachkriegsliteratur von 1966, die ein "Rummelplatz vielfältiger Alibis, Überkompensationen und sonstiger 'Vergangenheitsbewältigung'" sei.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.10.2001
Über Paul Celans Vorstellungen vom Westen sind wir bereits durch den Briefwechsel mit seiner Frau Gisèle informiert. Nun gibt es eine "schöne" Neuausgabe eines Briefwechsels mit seinem Jugendfreund Erich Einhorn aus Czernowitz, in dem Celans Sicht auf die osteuropäische Literatur deutlich wird, freut sich Beatrice von Matt. Einhorn, der als Redakteur für die Zeitschrift "Die neue Zeit" in Moskau arbeitete, aber auch dort dem Antisemitismus unter Stalin ausgesetzt war, sorgte dafür, dass Celan in Russland bekannt wurde, weiß die Rezensentin. Behutsam und kenntnisreich habe Einhorns Tochter Marina Dmitriev-Einhorn den kostbaren Briefwechsel ediert. Darin erfährt man, so von Matt, viel über Celans Übersetzungsarbeit der Werke von Mandelstam, Jewtuschenko, Blok und Jessenin.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.06.2001
Erich Einhorn war ein Jugendfreund Celans, wie dieser aus Czernowitz stammend, den es aber ins östliche Exil verschlagen hatte. So stellt uns Kurt Oesterle den bei uns eher unbekannten Briefpartner des Dichters vor. 1962 nahm Celan, nach fast 20 Jahren Funkstille, den Briefkontakt mit dem in Moskau lebenden Einhorn wieder auf, getrieben wohl, wie Oesterle schreibt, von einer ungewissen Ostsehnsucht, der auch die Schilderungen des vom Kommunismus enttäuschten und gedemütigten Einhorn kein Abbruch tun konnten. Durch den Briefwechsel, der 1967 abrupt wieder abbrach, kam es immerhin zu einem literarischen Austausch: Einhorn übertrug eine kleine Gedichtauswahl Celans ins Russische, Celan wiederum übersetzte russische Lyrik. Eine Wiederbegegnung der beiden Jugendfreunde kam nicht mehr zustande, berichtet Oesterle; Celan starb 1970, Einhorn 1974, dessen Tochter den Briefwechsel mit "hilfreichen Kommentaren" versehen habe.
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