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Klappentext
74 Minuten Laufzeit. Schonungslos analysiert der Nobelpreisträger Elias Canetti (1905-1994) menschliches Verhalten. Ausgewählt und vorgelesen haben die Texte Elke Heidenreich und Konrad Beikircher.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.06.2001
Zwei Hörbücher bespricht Konrad Heidkamp für uns: Senta Berger (liest Alfred Polgars): "Liebe und dennoch" und Elias Canettis "Der Ohrenzeuge", gelesen von Elke Heidenreich und Konrad Beikirchner. Beide CDs sind bei Kein & Aber Records erschienen.
1) Senta Berger: "Liebe und dennoch"
Die Nachfrage des Rezensenten mal vorneweg: "Könnte auf dem CD-Cover mit dem schönen Gesicht der Senta Berger möglicherweise auch der Name Alfred Polgar erscheinen?" Soviel muss schon sein, denkt sich Heidkamp, wenn auch Polgar in der Stimme der Berger zu neuem Leben erwacht - oder gerade drum. Dass nun ausgerechnet eine Frau Polgars Beziehungsdramolette liest, "in denen Frauen eher schlecht wegkommen", empfindet der Rezensent als "stilvolle Ironie" und freut sich ansonsten merklich über die (kongeniale) österreichische Doppelzüngigkeit, mit der Berger die "liebevolle Genauigkeit und psychologische Akkuratesse" Polgars umzusetzen weiß: "Es ist der Tonfall des achselzuckenden Lächelns, den Polgar und Berger bevorzugen" - ohne dass das etwas Augenzwinkerndes hätte. Wenn Berger flötet und giftet, so Heidkamp, dann klinge das menschlich, "wenn sie sinnlich und spitz liest, wird es süffig."
2) Elias Canetti: "Der Ohrenzeuge"
Wie Canetti sich im "Ohrenzeugen" bald von der einfachen Typologie verabschiedet und seine satirischen Masken mit "surrealen Zügen" färbt, das gefällt dem Rezensenten noch recht gut. Allerdings erlahmt seine Begeisterung "nachhaltig", "weil bei aller treffender Beobachtung eine gefühlte Kälte herrscht, die vom Draußenbleiben kommt." Die beiden Interpreten, erklärt Heidkamp kühl, "lesen die Miniaturen dementsprechend gut und damit als literarische Karikatur." Das ist kein Lob, weil Heidkamp immer viel zu genau weiß, "was gleich genussvoll formuliert, wo es gleich eintönig lustig wird." Berührt, schreibt er, sei man einzig dann, wenn die Spielfiguren Canettis psychologisch poetisch geraten.
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