Theodor W. Adorno

Minima Moralia

23. Auflage
Cover: Minima Moralia
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1997
ISBN 9783518012369
Gebunden, 339 Seiten, 16,82 EUR

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.05.2001

Der Anlass der Neuauflage des philosophischen Klassikers ist, so Martin Seel, das fünfzigjährige Jubiläum des Buches. Beruhigend für den Leser ist der Hinweis Seels, dass man die "Minima moralia", die in den vierziger Jahren im amerikanischen Exil Adornos entstanden sind, weder als Fortsetzung der "Dialektik der Aufklärung" noch als Vorbereitung zur "Negativen Dialektik" lesen muss, im Gegenteil, diese Kontextualisierung ist geradezu verkehrt, handelt es sich für Seel doch um ein eigenständiges Werk, um ein "Feuerwerk hellsichtiger Gedanken". Geschrieben unter dem Einfluss des nationalsozialistischen Terrors, seien die "Minima moralia" eine "Diagnose einer global organisierten Unmündigkeit". Der Reiz der Aphorismen sei das Nicht-Systematische, die Aufforderung, durch die Paradoxa zum eigenen Denken animiert zu werden, denn nichts sei so, wie es sich auf den ersten Blick liest. Seel legt dann einzelne Gedankenblitze Adornos aus, vor allem den berühmten Satz "Es gibt kein richtiges Leben im falschen"; generalisierend fasst er schließlich die Maxime von Adornos Denken wie folgt zusammen: Nur vom Unmöglichen her können wir unsere Möglichkeiten verstehen. Auch wenn man diesen Grundsatz nicht teilt, so Seel, ist man doch in jedem Fall von der Genialität Adornos gefesselt.
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