Probleme der Entscheidung zwischen Leben und Tod in der Neugeborenenmedizin stehen in Deutschland noch immer im Schatten der nationalsozialistischen Verbrechen und damit unter einem lastenden Tabu. Doch haben sie in jüngerer Vergangenheit durch die Entwicklung der hochtechnisierten Neonatalmedizin eine quälende Schärfe erhalten. Auf den Intensivstationen hat dies zu einer Situation ratloser Unsicherheit geführt. Die Arbeit untersucht als erste in der deutschsprachigen Literatur umfassend die normativen Grundlagen solcher Entscheidungen. Vor dem Hintergrund einer ausführlichen Darstellung zahlreicher klinischer Falltypen prüft sie zunächst die im Strafrecht entwickelten Lösungen zur allgemeinen sowie zur neonatalen Sterbehilfe und zeigt deren prinzipielle Unzulänglichkeit auf. Eine moralphilosophische Analyse klärt anschließend die ethischen Fundamente des Lebensschutzes und entwickelt aus ihnen Entscheidungsmaximen für die Grenzfälle der Neonatalmedizin.
Für Matthias Ruch ist das Buch das Fundament für eine Revision der rechtswissenschaftlichen Sicht auf die Neonatalmedizin und der Schaffung einer praxisgerechten Rechtsgrundlage für die Mediziner. Was der Autor anhand von ausgewählten Einzelfällen aus der Klinik über die Grenzbereiche der Neonatalmedizin zu erzählen und über das Recht und zur Moralphilosophie zu sagen hat, hält Ruch allerdings auch für so anschaulich präsentiert, dass selbst dem Laien ein umfassender Einblick in die akuten ethischen und strafrechtlichen Probleme in diesem Bereich möglich wird.
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