In Wien, dem damaligen Zentrum der Operette, schrieb sich Fritz Löhner-Beda zusammen mit dem Komponisten Franz Lehar zu hoher Popularität in allen sozialen Kreisen und zu musikalischem Ruhm. Auch Hitler liebte die Operetten, deren bewegende Texte ein Jude verfasst hat. Als die Nationalsozialisten Osterreich dem Deutschen Reich "anschlossen", wurde Löhner-Beda am 1. April 1958 im "Prominenten-Transport Nr. 1" nach Deutschland verschleppt. Nach über vier Jahren in mehreren Konzentrationslagern wurde er in Auschwitz ermordet. Günther Schwarberg zeichnet den märchenhaften Aufstieg des Autors von "Dein ist mein ganzes Herz" und seinen Leidensweg bis zum Tod nach.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.05.2001
Susanne Klingenstein freut sich zwar, dass nun endlich einmal ein Buch erschienen ist, das sich mit dem Schicksal jüdischer Unterhaltungskünstler während des Zweiten Weltkriegs beschäftigt. Doch ist sie mit dieser Löhner-Beda-Biografie nur sehr bedingt einverstanden. Zwar findet sie das Buch durchaus "bewegend", doch liegt ihrer Ansicht nach darin auch ein Problem. Schwarberg hat - wie sie findet - hier zu sehr an Emotionen appelliert, gleichzeitig jedoch zu wenig Substanz geboten. Als Beispiel dafür nennt sie die widersprüchlichen Berichte über Löhners Tod in Auschwitz. Schwarberg habe sich dabei für "die brutalste Variante" entschieden, obwohl es dafür keine hieb- und stichfesten Beweise gebe. Darüber hinaus vermisst die Rezensentin Ausführungen über den historischen Kontext sowie Fußnoten, Quellenangaben und einen Index. Klingenstein hält Schwarberg zwar grundsätzlich für einen "verdienten Journalisten". Doch was das vorliegende Buch betrifft, so hätte sie sich weniger "emotionalen Effekt", sondern vielmehr präzise Recherche gewünscht und eine Biografie, die neben dem Menschen und Künstler auch seine Welt, "das mal spritzige, mal schmalzige Wien, noch einmal zur Entfaltung bringt".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.04.2001
Rezensent "tif" macht nicht viele Worte. Aber er sagt auch entschieden zu wenig, als dass wir uns ein genaueres Bild machen könnten über ein Buch, dessen Titel ja auch nicht gerade herausschreit, worum es sich dreht. Oder muss man ihn kennen, Fritz Lohner-Beda, oder dessen "zahlreiche Kollegen", Fritz Grünbaum etwa? Dafür nun aber ist dieses Buch gut. Österreichische Librettisten bringt es uns näher, Menschen, so "tif", die der Krieg auf die eine oder andre abscheuliche Weise zum Schweigen brachte. Doch, soviel sagt er und auch, dass der Autor die erfolgreiche - doch wohl kaum die "erfreuliche", wie der Rezensent schreibt - musikalische Nachkriegskarriere so manches NS-Schergen ans Licht bringt, dann verstummt er.
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