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Sebastian Haffner
Historische Variationen
Klappentext
Historische Betrachtungen zur Geschichte Preußens, zu Hitlers Machtergreifung, politische Anmerkungen zu Politik und Vernunft, zum Erfolg des Grundgesetzes, biographische Porträts von Lenin, Churchill, Stresemann und Adenauer - zweihundert Jahre deutscher Geschichte läßt Haffner mit dem Blick für weitgespannte historische Entwicklungslinien Revue passieren.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.05.2001
In einleitenden Worten seiner langen Rezension versucht Martin Meyer das Besondere in Haffners Schreiben zu charakterisieren. Haffner ist für ihn ein Meister der Akzente, der es wie ein Schriftsteller verstehe, eine Innenspannung zu erzeugen, um das Lebendige zu erfassen, das der Geschichte innewohne. In der "Geschichte eines Deutschen" werde deutlich, dass Haffner den Handlungscharakter der Geschichte begriffen hätte, sein wichtigstes Thema sei seitdem die Analyse der Akteure auf der Bühne der Geschichte. Das durchlaufende Thema des nun vorliegenden Buches " Historische Variationen" ist laut Meyer das Nachdenken über Glück und Unglück in der Geschichte (à la Burckhardt). Die besondere "Methode" Haffners sei, dass er im Gegensatz zur positivistischen Geschichtsschreibung "die Instrumente der Psychologie unauffällig zu führen verstehe. Als ein Beispiel für die "Ambivalenz des Gelingens" in der Geschichte nennt der Rezensent Bismarcks Frankreichpolitik um 1870, um dann näher auf Haffners Essay über die Pariser Kommune vom Frühling 1871 einzugehen. Solche "Scharnierstellen" der Geschichte bieten Haffner "Gelegenheit zu farbigen Schilderungen dessen, was eine strukturale Historiographie wohl eher vermiede", schreibt Meyer und lobt die Begabung des Psychologen Haffner. Haffner scheint ihm ein Melancholiker zu sein, der zwar an das Gute im Menschen glauben wollte, jedoch mit dem Schlechten "rechnete und rechtete". Schließlich verweist Meyer noch darauf, dass Haffner sich bis Mitte der achtziger Jahre die Wiedervereinigung nicht wirklich vorstellen konnte und diagnostiziert eine "Utopieabstinenz" Haffners.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.04.2001
Thomas Krüger begrüßt diesen Essayband mit Texten zu geschichtlichen Themen des 20. Jahrhunderts mit "offenen Armen", auch wenn es sich lediglich um eine Wiederauflage eines Buches von 1985 handelt. Er würdigt den verstorbenen Autor als "größten deutschen Publizisten" des letzten Jahrhunderts und preist seine Fähigkeit, allgemein verständlich ohne Gefahr der "Verblendung" seiner Leser zu schreiben. Besonders positiv bewertet der Rezensent die "emotionale Zugänglichkeit", die Haffner in seinen Texten an den Tag legt, und er lobt ihn für "einleuchtende" Argumente und "prägnante Formulierungen". Haffner vereinigt alle Eigenschaften eines guten "Lehrers", ohne oberlehrerhaft zu wirken, so der Rezensent angetan. Allerdings sind manche Essays seiner Ansicht nach bereits von der Geschichte eingeholt worden und heute nicht mehr relevant, was aber den Wert des Buches insgesamt in seinen Augen nicht schmälert.
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