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zuletzt aktualisiert 18.03.2010, 20.18 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Paul Celan, Gisele Celan-Lestrange

Paul Celan - Gisele Celan-Lestrange: Briefwechsel

1. Band: Briefe. 2. Band: Kommentar

Cover: Paul Celan - Gisele Celan-Lestrange: Briefwechsel

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN-10 3518412191
ISBN-13 9783518412190
Gebunden, 1200 Seiten, 85,90 EUR

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Klappentext

Aus dem Französischen von Eugen Helmlé. Herausgegeben und kommentiert von Bertrand Badiou in Verbindung mit Eric Celan Anmerkungen übersetzt und für die deutsche Ausgabe eingerichtet von Barbara Wiedemann. Die 677 Dokumente dieses Briefwechsels aus den Jahren 1951–1970 sind ein einzigartiges Zeugnis. Paul Celan, ein Dichter von großer Diskretion, öffnet sich hier in der privatesten seiner Beziehungen. Anschaulich, wenn auch oft erst im Zusammenhang mit der Kommentierung, werden nicht nur Entstehung und Hintergrund vieler seiner Gedichte. Anschaulich wird sein Verhältnis zu Deutschland, diesem ihm auf seinen Reisen trotz der deutschen Muttersprache so fremd bleibenden Land. Zugleich dokumentieren diese Briefe auch den Lebensweg der Künstlerin Gisèle Celan-Lestrange; sie zeichnen ihre künstlerische Entwicklung von den Anfängen als Malerin bis hin zu ihren bedeutenden graphischen Werken und der Zusammenarbeit mit Paul Celan. Anschaulich werden aber auch die verzweifelten Phasen dieser Ehe, Celans Zusammenbrüche und Klinikeinweisungen, die sich erneuernden Hoffnungen und die bis zum Schluss trotz aller Trennungen gemeinsam getragene Sorge um den Sohn Eric. Die Ausgabe enthält neben dem Briefwechsel eine Auswahl der Briefe Celans an seinen Sohn sowie ergänzende Dokumente. Den ersten Band mit den Brieftexten erschließt ein zweiter mit Nachworten, ausführlichen Anmerkungen, einer umfassenden Zeittafel, Werkverzeichnissen und Registern.

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.07.2001

Nach Jürgen Busche bietet dieser Briefwechsel den Stoff für gleich mehrere noch zu schreibende Romane - etwa wegen der Liebesgeschichte Celans mit Ingeborg Bachmann, wegen seiner psychischen Probleme und der Misshandlung seiner Frau, aber auch wegen der guten Zeiten, die beide durchaus miteinander verlebt haben. Gisèle Lestrange bescheinigt der Rezensent eine gehörige Portion Mut, den sie "ihr Leben lang" gebraucht habe, ganz besonders aber in den Krisenzeiten der sechziger Jahre. Die Briefe aus der Zeit, als Celan in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert wird, findet Busche jedoch in "ihrer lakonischen Aussagearmut unverständlich oder trivial", während die Briefe aus besseren Zeiten seiner Ansicht nach durch scharfe Beobachtung und Witz bestechen. Busche berichtet in seiner Rezension auch ausführlich von der Ablehnung Celans durch die Gruppe 47 und auch über den Vorwurf, er habe Yvan Goll plagiiert. Der Briefwechsel verrate, wie verletzt Celan darüber gewesen sei.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.06.2001

Beatrice von Matt zeigt sich in ihrer sehr eingehenden Besprechung von der gleichzeitig auf deutsch und auf englisch erscheinenden Ausgabe des Briefwechsels zwischen dem Ehepaar Paul Celan und Gisèle Lestrange begeistert. Sie begrüßt, dass die Briefe "Licht" ins Dunkel von Celans privatem Leben werfen und besonders seine letzten Jahre in Paris bis zu seinem Suizid beleuchten. Dabei erscheinen der Rezensentin besonders die Briefe von Gisèle Lestrange "wunderbar detailreich, erzählerisch, einnehmend in jeder Zeile". An den Briefen Celans hebt sie die Gedichte, die darin enthalten sind, hervor und zeigt sich von der tiefen Zuneigung, die insbesondere in Trennungszeiten aus seinen Briefen spricht, berührt. Sie preist den Band als "vorbildlich ediert" und lobt speziell den Anmerkungsapparat des Herausgebers, den sie nicht nur wegen seiner wissenschaftlichen Genauigkeit schätzt, sondern an dem ihr gleichzeitig das Einfühlungsvermögen gefällt. Auch mit der Übersetzung ist sie im Großen und Ganzen zufrieden. Die Entscheidung, Kosenamen und persönliche Anreden unübersetzt zu lassen, trifft auf ihre volles Zustimmung, doch hätte der Übersetzer ihrer Ansicht nach, "noch weiter gehen können und - hier kommt nun doch Kritik - manche Übertragung von "Wortspielen" in den Briefen Celans scheinen ihr gänzlich mißlungen.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.05.2001

Martina Meister spricht diesem Briefwechsel zwischen Paul Celan und seiner Ehefrau Gisèle, der gleichzeitig auf Französisch wie auf Deutsch erschienen ist, das Verdienst zu, das "dichteste Zeugnis" seiner letzten 20 Lebensjahre zu sein. So merkwürdig es sei, Celan in Übersetzung aus dem Französischen zu lesen, so "hervorragend sei die Übersetzung von Eugen Helmlé, lobt die Rezensentin. Sie ist beeindruckt von der Dichte der Briefe, die rasch von gewöhnlichem "Gefühlsgeflüster" in den ersten Liebesbriefen zur "passionierenden Liebes- und Leidensgeschichte" wird. Der umfangreiche Anmerkungsband erfährt besonderes Lob von Meister, den sie findet, dass er selbst dunkle Stellen in den Briefen zu erhellen vermag. Dass der Briefwechsel auch vom psychischen Zusammenbruch Celans, der im Freitod endet, "Zeugnis ablegt", macht ihn der Rezensentin so interessant. Genauso faszinierend aber findet sie die Demonstration der unerschütterbaren Liebe seiner Frau Gisèle, die in ihren Briefen zum Ausdruck kommt.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.04.2001

Mit dieser Korrespondenz, dem vorzüglichen Kommentar und einer über hundert Seiten umfassenden Zeittafel zu Paul und Gisèle Celans Leben, liegt nach Ansicht von Ernst Osterkamp die "beste Biografie Celans für dessen Pariser Jahre" vor. Und auch die wichtigsten biografischen Quellen für den Zeitraum, in den Celans eigentliche literarische Karriere falle. Der Band enthalte die Briefe Celans vollständig und ohne Kürzung. Im Fall seiner Frau sei eine "großzügige Auswahl" getroffen worden. Über den Inhalt nicht veröffentlichter Briefe werde im Kommentar jedoch "sorgfältig" Auskunft erteilt. Osterkamp ist ebenso beeindruckt vom Mut der Herausgeber, zu denen Celans Sohn Eric gehört, "diese Lebenszeugnisse" so vollständig zu dokumentieren, wie von der Offenheit des Kommentars. Daher habe man es hier nicht nur mit einer "unverzichtbaren Quelle" zur Entstehung von Celans Gedichten zu tun, sondern auch mit der Krankengeschichte Celans, die mehr als zwei Drittel des Buches ausmache. Sichtlich berührt schreibt Osterkamp von den Klinikaufenthalten und Selbstmordversuchen. All das habe man zwar gewusst, allerdings doch nur in jener "Vagheit, die bis heute auch die Biografik" bestimme. Die deutsche Ausgabe allerdings könne einen "essentiellen Grundzug" der französischen Edition "nicht abbilden", Celans Zweisprachigkeit. Mit seiner Frau und seinem Sohn habe Celan französisch gesprochen und geschrieben. Die Gedichte seien auf deutsch geschrieben. Wo er sie seiner Frau geschickt habe, versah er oft sie mit Vokabellisten als Übersetzungshilfen. Hier sieht der Rezensent zwei Sprachwelten "nahezu vermittlungslos" nebeneinander stehen. Aber eben nur im französischen Original dieser Edition.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.04.2001

Nach Kurt Oesterle kann dieser Band ein wenig dazu beitragen, Gisele Celan von dem Vorwurf zu entlasten, sie habe Paul Celan gerade dann allein gelassen, als er sich in einer Krise befunden hat. Denn nach Ansicht des Rezensenten kann jeder Leser, der "nicht einäugig hinsieht", hier erkennen, dass Gisele Celan und ihr Sohn nur knapp einer Katastrophe entkommen sind, als Paul Celan im Wahn androhte, das "Opfer Abrahams" zu wiederholen. Gleichzeitig wird nach Oesterle in diesen Briefen deutlich, "wie weit Gisele Celan in ihrer Selbstunterdrückung ging", etwa was die Zeit betrifft, in der Celan seine Liebesbeziehung zu Ingeborg Bachmann wieder aufnahm. Dieses Thema selbst wird jedoch, so der Rezensent, in den Briefen kaum angesprochen, obwohl es Anlass war "für schwersten Streit". Was Gisele Celan wirklich bewegt hat - darüber geben die Briefe nach Oesterle nur wenig Auskunft. Ihre wirklichen Gefühle habe sie vielmehr in ihrem Tagebuch niedergeschrieben. Doch dieses ist, so der Rezensent, bisher unveröffentlicht.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.03.2001

Helmut Böttiger ist völlig gefangen von dem Briefwechsel zwischen Paul Celan und seiner Frau Gisèle. In seiner ausführlichen Besprechung preist er das Buch als "Höhepunkt" der jüngsten Veröffentlichungen aus Celans Nachlass, das neue Erkenntnisse zu Leben und Werk des Lyrikers in bisher nicht da gewesenem Umfang ermögliche. Dazu habe der Anmerkungsapparat viel beizusteuern, und in ihm liege auch das eigentlich "Brisante" dieses Briefwechsel, da er durch Zitate aus den Tage- und Notizbüchern sowohl Celans als auch seiner Frau erstmalig "Einblick in intime Aufzeichnungen" des Ehepaars erlaube. Der Rezensent bemerkt anerkennend, dass viele Briefstellen Aufschluss über Gedichte Celans geben, aber daneben erkennt er in dem Buch auch das "berührende Zeugnis" einer großen, wenn auch schwierigen Liebe. Den Übersetzer Eugen Helmlé lobt Böttiger nachdrücklich für die gelungene Lösung einer besonderen Schwierigkeit: da Celan seine Briefe auf Französisch verfasste, mussten sie für die deutsche Ausgabe quasi in seine Muttersprache zurückübersetzt werden. Der Rezensent findet, dass der Übersetzer den "Celan-Ton" hervorragend getroffen hat.

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