Friedrich Roberg, Autor der legendären "Tante Jolesch", wurde einmal in einer Fernsehsendung gefragt, worin seiner Meinung nach das Wesen des Österreichers, dessen Hauptcharakteristikum als Nation, liege. Nach einigem Zögern antwortete er: "In seiner Halbheit". Er hat damit eine Haltung angesprochen, die auch in anderen Ländern existiert und vor allem in der Politik eine Rolle spielt, aber in Österreich eine größere als irgendwo sonst. Die Halbheit und die Halbherzigkeit der politischen Akteure durchzieht die Geschichte Österreichs wie ein roter Faden und sie treibt immer wieder neue Blüten. Leser begnügt sich nicht mit historischen Exkursen in ferne Zeiten, sondern demonstriert, wie eine Halbheit die andere ergibt. Er wagt sich bis in die Gegenwart vor und scheut sich nicht, die Dinge beim Namen zu nennen und Personen als Verkörperung der Halbheit und Doppelzüngigkeit zu identifizieren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.03.2001
Roland Schönbauer ist zunächst recht beeindruckt von der Untersuchung der "politischen Halbheit", die der sozialdemokratische Autor als typisch für Österreich analysiert. Er attestiert Leser eine "erfrischend differenzierte" Sichtweise und findet es lobenswert, dass er sein "eigenständiges Denken" nicht von der parteipolitischen Linie abhängig macht. Um so mehr wundert es den Rezensenten dann auch, das der Autor selbst mitunter "quasi halb kritisiert" und so manche "Halbheiten" sogar ganz sympathisch findet. Das kann der Rezensent dann doch nur auf eine gewisse Altersmilde und nicht auf den kritischen Verstand des Autors zurückführen.
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