Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Englischen von Reinhild Böhnke. Jahrzehntelang ist der Magistrat ein loyaler Diener des Staates gewesen, ohne sich von der vermeintlichen Bedrohung durch die "Barbaren ", einem benachbarten Nomadenstamm, beirren zu lassen. Als jedoch eine Spezialeinheit der Staatspolizei eintrifft, um den Nachweis für kriegerische Absichten der "Barbaren "zu erbringen, wird er Zeuge der grausamen und ungesetzlichen Behandlung von Gefangenen. Vom Mitleid mit den Opfern aufgerüttelt, will der alte Mann ein Zeichen setzen. Gleichsam in einem Akt privater Wiedergutmachung nimmt er ein schwer misshandeltes "Barbaren"-Mädchen bei sich auf, um es schließlich zu seinem Volk zurückzubringen. Diese Expedition brandmarkt ihn als Verräter, er wird nun seinerseits Opfer von öffentlicher Demütigung und Folter.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.05.2001
Katharina Rutschky kann nicht umhin, den 1940 geborenen südafrikanischen Literaturprofessor und Schriftsteller J. M. Coetzee in einer langen und kundigen Besprechung zu würdigen. Erst seit gut fünf Jahren habe der Autor weitgehende Bekanntheit erlangt, für einen, dem Rutschky gerne in einigen Jahren den Literaturnobelpreis verleihen würde, etwas spät, meint die Rezensentin. "Warten auf die Barbaren" ist im Original schon 1980 und auf Deutsch "in einer keineswegs schlechteren Übersetzung" (Karl Hessel Verlag) als der vorliegenden 1983 erschienen, berichtet Rutschky. Den Roman selbst findet die Rezensentin kafkaesk. Nie gebe es klare Antworten auf eindeutige Fragen, ein Erzähler führe durch die Handlung, die keine Zeit-, Orts- oder Personenangaben enthält, berichtet die Rezensentin. Ein hilfloses Rudern und Grübeln hat sich bei ihr eingestellt. "Furchtbar sachkundig" führe der Autor die politischen Verhältnisse in Südafrika vor Augen, aber ohne, und das begeistert Rutschky zutiefst, auf die Moral und die Emotionen der Leser zu setzen. Und so hat sie die düstere Geschichte nicht deprimiert. Für Rutschky ist das ein schlagender Beweis für Coetzees Talent, zu gleichen Teilen klug, gelehrt, moralisch und imaginativ zu schreiben.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.04.2001
Als das Besondere dieses Romans kennzeichnet Angela Schader die gelungene Koexistenz von allegorischer Dimension und physischer Realität. Ohne die Enden der Parabel in den leeren Raum der Abstraktion oder einer überhöhten Moral schießen zu lassen, schreibt sie, transzendiere der Autor den eigenen historischen und gesellschaftlichen Kontext, um zu grundlegenden, wo nicht abgründigen Fragestellungen zu gelangen. Die unangenehme Zeugenschaft ("bei den handgreiflichen Demonstrationen staatlicher Macht"), zu der unsere Rezensentin sich gezwungen sieht, wird so zum "einschneidenden literarischen Erlebnis", etwa wenn Coetzee "ein Echo aus der Passionsgeschichte hinüberhallen lässt". Andererseits wieder sorgt die Plastizität der physischen Realität im Buch für ein sinnliches Erlebnis und für "finstere Einsichten in die Menschennatur" - meint Schader.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.03.2001
Hans-Peter Kunisch rühmt, dass der Roman, der bereits 1980 auf Deutsch erschien und der jetzt in neuer Übersetzung vorliegt, nichts von seiner "Kraft eingebüßt" habe. Das Buch sei eine "Allegorie der Macht", die nicht nur an Kafka erinnere, sondern auch Verweise auf dessen Texte beinhalte. Doch findet der Rezensent, dass Coetzees Roman weniger abstrakt ist als vielmehr "Realitätspartikel" enthält. Er preist die "intensiven Bilder", die der südafrikanische Autor heraufbeschwört und ist besonders beeindruckt von der "Spannung zwischen Ethik und Ästhetik", die der Roman erzeuge und die Kunisch in der Gegenwartsliteratur für beispiellos hält. Dass er dann auch noch die Übersetzung von Reinhild Böhnke als "gut lesbar" lobt, rundet diese durch und durch positive Besprechung ab.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.03.2001
Große Literatur, meint Lutz Hagestedt, sei einfach und komplex zugleich. Als einfach und gleichzeitig komplex beschreibt er uns sodann diesen bereits zum zweiten Mal auf Deutsch vorgelegten Roman. Ergo? Richtig, der Rezensent ist voll und ganz überzeugt von dem, was er gelesen hat. Einfach, das heißt schlüssig sei die Ereignisfolge, einfach, das meint plastisch und sparsam attribuiert seien die Figuren in diesem Buch. Komplexität dagegen findet Hagestedt in der vom Autor kunstvoll arrangierten Leitmotivik und in einer schwer zu fassenden Psychologie, die die Hauptfigur kennzeichnet. Der Roman, so schreibt der Rezensent, ist voller Zeichen: "Man möchte nicht von ihm lassen, ehe man ihn nicht entziffert hat." Verständlich, verständlich.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Jan Philipp Reemtsma: Vertrauen und Gewalt
Warum sich die Soziologie mit den Phänomenen der Gewalt so schwer tut, ist eine der zentralen Fragen, mit ...
Peter Nadas: Parallelgeschichten
Aus dem Ungarischen von Christina Viragh. 1989, im Jahr des Mauerfalls, findet der Student Döhring beim Jogging ...
Archiv: Bücherschauen
Golden german tor lass uns ein als große fisch
10.02.2012: Die SZ ermittelt mit Martin Amis' Roman "Die schwangere Witwe" jenen Nullpunkt, an dem sich Sex und Liebe trennten. Die FAZ geht mit Didier Decoin der Frage nach, warum 38 Menschen der um ihr Leben kämpfenden Kitty Genovese nicht halfen. Die FR feiert den "famose Falschmünzer" Juri Andruchowytsch und seinen Roman "Perversion". Begeistert ist sie auch von Michael Ondaatjes Roman "Katzentisch". Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








