Ob der Hirntod der Tod des Menschen ist, war bei der öffentlichen Diskussion um das Transplantationsgesetz vor drei Jahren die am meisten und heftigsten diskutierte Frage. Bejahte man sie, war die Entnahme gespendeter Organe rechtlich und ethisch problemlos. Verneinte man sie, mußte man entweder auf die Transplantation verzichten oder zu dem Argument Zuflucht nehmen, daß die künstlich aufrecht erhaltene Atmung hirntoter Menschen in jedem Fall einmal aktiv beendet werden muss, der Art der Beendigung aber keine entscheidende Bedeutung zukommen kann. Die Reichweite des Utilitarismus stand ebenso zur Debatte wie die Befugnis des Menschen zum Eingriff in einen anderen Menschen, der sich "um den Tod herum" befindet. Der vorliegende Band versucht, in knapper Form noch einmal alle wesentlichen Argumente darzustellen, die aus medizinischer, naturwissenschaftlicher, ethischer und rechtlicher Sicht vorgetragen wurden. Nachdem sich die Emotionen gelegt haben, ist der Wert der Argumente heute weit besser einzuschätzen als damals und regt zu neuen grundsätzlichen Fragestellungen an.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2001
Achim Bahnen meint zwar, dass von der "Intensität" der parlamentarischen Debatte zu Hirntod, Lebensschutz und Organtransplantation, aus der dieser "Dokumentationsband" hervorgegangen ist, nicht viel übrig geblieben ist. Doch findet er es begrüßenswert, dass hier Befürworter und Gegner der Hirntodes zu Wort kommen, und er weist zudem auf zwei neu in den Band aufgenommenen Beiträge hin, die diese Auseinandersetzung weiterführen. Er lobt den Band dafür, dass er "interdisziplinäre Grenzen" überschreitet - es werden sowohl medizinische wie strafrechtliche und philosophische Thesen vorgestellt - und meint, es sei vorteilhaft, wenn durch die "Vermischung empirischer und normativer Fragen" wie im vorliegenden Buch eine Schärfung der "Aufmerksamkeit" für wichtige, zeitgemäße Debatten stattfindet.
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