Ungeborene verfügen über ein eigenständiges Gefühlsleben und erleben ihre Geburt affektiv mit: Diese zunehmend wissenschaftlich bestätigten Ergebnisse der pränatalen Psychologie stellt Ludwig Janus in seinem neuesten Buch vor. In prägnanten Fallbeispielen aus der psychoanalytischen Praxis beschreibt er, wie Leiderfahrungen aus der Zeit vor, während und nach der Geburt unser Leben bestimmen und in neurotischen Symptomen und scheinbar irrationalen Beziehungskonflikten zum Ausdruck kommen können. Behandlungsmöglichkeiten psychischer Störungen können durch die Kenntnisse der prä- und perinatalen Psychologie bedeutend erweitert werden. Das Seelenleben des Ungeborenen und die Einbeziehung der pränatalen Erfahrungen in die Psychotherapie stehen im Zentrum dieses Buches.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.02.2001
Tilmann Moser erhofft sich für dieses Buch ausdrücklich starke Beachtung, zumal er der Ansicht ist, dass dieses "`weise` Buch in seiner unpolemischen Art zu Grenzöffnungen" führen könne. Seiner Ansicht nach sind die Spätfolgen von prä- und perinatalen Traumata (wie etwa Abtreibungsversuche, Geburtskomplikationen) für das spätere Leben der Betroffenen noch nicht ausreichend im Bewusstsein von Therapeuten verankert oder aber es fehle an entsprechenden Fortbildungsmöglichkeiten. Moser gefällt es, dass sich der Autor nicht nur in der Literatur bewandert zeigt, sondern vor allem, dass seine Überlegungen auch auf langjähriger Erfahrung beruhen, wobei Janus auch offen von eigenen Fehlern, Schwächen und zwischenzeitlichem Scheitern spricht. Doch die Thesen, die Janus schließlich nach langjähriger Beschäftigung mit dem Thema entwickelt hat, scheinen den Rezensenten durchaus zu überzeugen. So gehe der Autor "souverän kritisch und zugleich verständnisvoll" auf Freuds Thesen von der Bedeutung des Vaters bei Neurosen ein, wobei Janus jedoch selbst einen anderen Standpunkt vertrete, etwa bei Freuds Fallgeschichte des `Wolfmannes`. Insgesamt eine "Fülle von fruchtbaren Ausblicken und Desideraten von Praxis und Forschung", so lautet das Fazit des Rezensenten.
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