Lineaturen sind Formalstrukturen, in die sich Texte einschreiben. In welche Lineaturen schreibt sich der Text der Geschichte(n) ein? Die Untersuchung geht aus von der Entwicklung eines für die Geschichte angemessenen Zeitbegriffs (und einem Begriff des kommunikativen Textes. Aus beidem ergibt sich eine narrativistische Geschichtskonzeption. Diese wird mehrfach erprobt an für den Narrativismus kritischen Problemen: dem Schweigen (der Geschichte, dem Problem der Erzählbarkeit gelebten Lebens oder der unmittelbaren Gegenwart. Gewonnen wird dabei einerseits der Begriff eines Rhythmus der Geschichte. Andererseits ergeben sich Spezifizierungen der für die Geschichte eigentümlichen Kontinuitätsvorstellungen sowie eine Abgrenzung der Geschichtszeit von der Handlungszeit. Schließlich wird diese Beschreibung einer narrativistischen Lineatur der Geschichte methodisch abgegrenzt von den Sozialwissenschaften und der Ethik.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.12.2000
In diesem Band präsentiert der Philosoph Kurt Röttgers seine Vorstellung davon, wie Narritivismus, also die Art, wie etwas erzählt wird, auf eine zeitgemäße Geschichtsschreibung angewendet werden kann. Dabei geht es auch darum, wie Erzählungen sich in ein Machtgefüge einpassen. Der Rezensent Hans-Dieter Gondek beschreibt diesen Vorgang wie folgt: "Erzählung ist Reflexion und trägt als solche den Übergang vom Geschehen zur Geschichte". Er findet die Aufbereitung der Thematik seitens des Autoren ziemlich gelungen und interessant. Er lobt die "angenehm zurückhaltende Theorieentfaltung", die "weder ins Anekdotische noch ins Abstrakt-Theoretische verfällt" und dabei auch einen weiten Bogen zu anderen Debatten spannt, die in den Geisteswissenschaften in den letzten Jahrzehnten geführt wurden.
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