Franz Lehár gilt nach wie vor als unbestrittener `Olympier der Banalität`. Stefan Frey erzählt vom Leben des Operettenkomponisten und unternimmt den längst fälligen Versuch, Lehár und sein Werk als Phänomen der Kulturgeschichte zu deuten: als Produkt und Hauptrepräsentant einer Epoche, in der die Unterhaltungsindustrie begründet wurde, die Trennung von E- und U-Musik sich vollzog und eine Massenkultur entstand.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2000
Nur Gutes weiß Anja-Rosa Thöming über diese Biografie zu erzählen. So hebt sie besonders die Kapitel hervor, in denen sich Frey mit Léhars Verhältnis zu den Nationalsozialisten beschäftigt. Hier findet sie besonders die Details interessant, etwa das Léhar es sich nicht nehmen ließ, sowohl Hitler als auch Goebbels und Göring jedes Jahr persönlich zum Geburtstag zu gratulieren - auch wenn er einige Jahre zuvor eine Operette ("Giuditta") komponiert hat, die das Führerprinzip `in jeder nur denkbaren Form lächerlich` machte, wie Frey in seinem Buch schreibt. Insgesamt weiß die Rezensentin die Quellenarbeit Freys sehr zu schätzen und findet großen Gefallen an den zahlreichen "Querverweisen", etwa da, wo Frey auf die Literatur von Thomas Mann oder Hugo von Hofmannsthal eingeht, in der sich die große Popularität der Léhar`schen "Schlager" wiederspiegelt. "Souverän" zeigt sich Frey nach Ansicht der Rezensentin auch bei der Darstellung und Analyse von kaum bekannten Werken des Komponisten oder bei seinem Blick in die "Werkstatt der Operettenlibrettisten". Auch das Werkverzeichnis und den Anmerkungsapparat lobt die Rezensentin in den höchsten Tönen.
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