Landolf Scherzer

Der Letzte

Cover: Der Letzte
Aufbau Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783351024987
Gebunden, 336 Seiten, 17,38 EUR

Klappentext

Landolf Scherzer war 1999 der letzte, der sich im Jahr des Wahlkampfs als Berichterstatter am Thüringer Landtag akkreditieren ließ. Durch genaue Beobachtung dieser prägnanten Phase parlamentarischer Arbeit wollte er erfahren und verstehen, wie Demokratie in der Praxis funktioniert. Das schien zunächst einfach. Der Thüringer Landtag sei ein gläserner Landtag, erklärte man Landolf Scherzer in der Pressestelle, re würde alle benötigten Materialien erhalten, dürfe über die öffentlichen Sitzungen berichten, Interviews führen. Je länger sich Scherzer jedoch umsah, desto deutlicher wurde, dass der "gläserne Landtag" Milchglasscheiben besitzt , durch die sich höchstens Konturen von Vorgängen ahnen lassen, und dass die Abgeordneten währende des Wahlkampfs mehr als üblich auf die Parteidisziplin eingeschworen sind. Erst nach der Wahl beginnen einige der ehemaligen Machtträger zur reden, und nun scheinen Konflikte und Auseinandersetzungen auf, gewinnen die Personen hinter den Funktionen Profil.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.12.2000

Zwölf Monate "geduldigen Beobachtens" der politischen Szene des Thüringer Landtages, so Rezensent "hau", schlagen sich in diesem Buch des ostdeutschen Journalisten Landolf Scherzer nieder. Der Rezensent bemerkt eine deutliche Enttäuschung des Autors angesichts der herbeigesehnten Demokratie: In der Realität hat sie eben nichts Utopisches, sondern zeigt die "Mittelmäßigkeit als Norm". Der Rezensent hat jedoch Verständnis für diese Enttäuschung. Da sich ihre Illusionen in Bezug auf die DDR als brüchig erweisen haben, legten die Ostdeutschen die Messlatte an das Funktionieren des politischen Systems in der Bundesrepublik besonders hoch. Auch wenn der Rezensent die moralischen Ansprüche des Autors gelegentlich übertrieben findet, so enthält das Buch seiner Ansicht nach doch viele "wertvolle Beobachtungen". Vor allem aber mache es die "diffusen Ressentiments" in Ostdeutschland deutlicher.

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