Gerhard Nebel

Schmerz des Vermissens

Essays
Cover: Schmerz des Vermissens
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2000
ISBN 9783608934588
Gebunden, 287 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Ausgewählt von Gerald Zschorsch. Mit einem Nachwort von Sebastian Kleinschmidt. Dieses Buch gilt der Wiederentdeckung eines zu Unrecht Vergessenen. Die zwölf hier gesammelten Aufsätze zeigen, dass Gerhard Nebel nicht nur ein glänzender Schriftsteller und wortgewaltiger Polemiker war, sondern auch viele der Probleme unseres technischen Zeitalters früher gesehen hat als andere. Nebels großes Projekt einer Neuinterpretation der griechischen Kultur umgehend, konzentriert sich diese Auswahl auf Näherliegendes: auf seine Essays über den modernen Zeitbegriff und den Fortschrittsgedanken, auf unseren Umgang mit der Natur, auf die Frage "Langeweile und Zivilisation".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.11.2003

Rezensent Ralf Vollmann fühlt sich von diesen vergessenen Essays des Ernst-Jünger-Freundes nicht mehr angesprochen. Dessen Sätze findet er halb beschwörend, halb polternd, halb fließend und halb abrupt. Nebel selbst wird vom Rezensenten als "Brausekopf" beschrieben: "polemisch, unsachlich beleidigend, überheblich". Nur im Ernst-Jünger-Kontext hat dieser Autor in Vollmanns Augen noch eine Bedeutung.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.05.2001

Die gesammelten Essays des 1903 in Dessau geborenen Gerhard Nebel erinnern Hans Ulrich Treichel an seine Kindheit in den sechziger Jahren, als er als "lesehungriger Knabe" in die heimische Stadtbibliothek pilgerte und Werke vorfand, die den Geist des Abendlandes und der griechischen Antike beschwörten. Etwas erstaunt ist der Rezensent über Nebels Essay aus dem Jahr 1947. Denn der handelt von Zierfischen. Immerhin komme der Autor am Ende denn doch noch auf das menschlichen Denken, das wie beim Kampffisch durch Freiheit und Entwurzelung gekennzeichnet sei, zu sprechen, berichtet Treichel. Generell verortet er bei Nebel eine kultur- und zivilisationskritische Position, der der Autor in Konservatismus und Archaismus begegne. Doch, kritisiert der Rezensent, in dem Moment, in dem Nebel seinen Rückzug ins Hinterwäldlertum zum kulturkonservativen Programm erhebe, werde hinter dem Archaiker der "rasenmähende Altphilologe" sichtbar, hinter dem "dithyrambischen Griechenlandverherrlicher der schwäbische Studienrat".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.12.2000

Lutz Hagestedt sieht den Essayisten Gerhard Nebel, aus dessen Werk jetzt eine kleine Auswahl veröffentlicht worden ist, durchaus zwiespältig. Obwohl der Rezensent ihn als "in seinen schwächeren Momenten ? durchaus konventionell" - so kritisiert er zum Beispiel Nebels Analyse der Studentenbewegung - bezeichnet, findet er doch ziemlich viel Interessantes in den Essays, an denen er sich in seiner Besprechung abarbeitet. Hagestedt bezeichnet Nebel als einen "fluiden Geist" mit vielen Gesichtern und einen "hochinteressanten Katalysator", der es schaffe, "die Welt zum Sprechen zu bringen". Spannend findet er zum Beispiel Nebels Literaturbegriff, der "zugleich altmodisch und modern" ist und die Erkenntnis, dass "die Darbietungsform eine Erkenntnisform zu sein habe".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.12.2000

Die beiden SZ-Kritiker Albert von Schirnding und Joachim Kaiser teilen die Leidenschaft, von sich selbst zu schreiben. In diesem Fall informiert uns von Schirnding, dass "ich den Autor wenige Jahre vor seinem Tod (1974) bei Ernst Jünger kennen lernte". Gemeint ist Gerhard Nebel, der sich als "freundlicher Herr" entpuppte, wo er doch so donnernde Fortschrittskritik verfasst hatte. Von Schirnding sieht viele Gemeinsamkeiten mit Botho Strauss, darunter die gesellschaftliche Diagnose: "Verlust des Tragischen", inklusive "Entzauberung, Entgöttlichung". Und dabei ist Nebel "witzig-böse, glanzvoll-polemisch" und schont auch diejenigen nicht, auf die er sich beruft: Nietzsche, Baudelaire, George, Heidegger u.a. Für den aus politischer Distanz beeindruckten Schirnding bietet Nebel letztlich "die individuelle Lösung, die Chance und das Recht des Einzelnen, aus dem Prozess auszusteigen."
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