Über eineinhalb Jahrtausende spannt sich der Bogen der abendländischen Kunstgeschichte, deren epochale Errungenschaften Manfred Wundram gattungsspezifisch und gattungsübergreifend aufzeigt. Anhand der wichtigsten Werke erläutert er exemplarisch die stilistischen Charakteristika und zeigt deren künstlerische wie gesellschaftliche Voraussetzungen und Wirkungsgeschichte auf. Bis ins ausgehende 18. Jahrhundert folgt Wundram der klassischen Einteilung in die großen Stilepochen. Ab 1770 ändern neue Ideale, Themen und Aufgaben tiefgreifend das Selbstverständnis von Kunst und Künstler. Wundram gelingt es, durch konzise Definitionen und einzelne Werkvorstellungen den Leser durch das Labyrinth der -ismen - vom Klassisismus bis zum Surrealismus - zu führen und ihn über Happening, Fluxus bis zur aktuellen Aktionskunst zu begleiten, die noch mehr wie die so genannte klassische Kunst den Betrachter zur aktiven Auseinandersetzung herausfordert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.12.2000
Eigentlich sagt der Untertitel der Rezension, "Fußnoten zu Vasari", schon alles über die letztlich vernichtende Kritik Ulrich Rehms an diesem Band. Über Giorgio Vasaris Art der Kunstbetrachtung im 16. Jahrhundert sei der Autor im wesentlichen nicht hinausgelangt, auch mit dessen Urteil stimme er überein: die Hochrenaissance ist der zuvor und danach nicht erreichte Höhepunkt der Kunstgeschichte, Michelangelo das einzigartige Genie der Epoche. In ihrer Gesamtdarstellung operiere Wundram zudem "mit einem unreflektierten Begriff vom Abendland" und sein teleologisches Geschichtsmodell nimmt dem Rezensenten nach dessen Bekunden immer wieder "den Atem". Nicht ohne Ironie findet Rehm das am Ende dann alles ganz "konsequent", und das Lob der "durchaus ausgewogenen Objekt- und Abbildungsauswahl" bleibt ein durch das Gesamturteil vergiftetes.
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