Herausgegeben im Auftrag der Deutschen Nationalstiftung von Andreas Rödder mit Beiträgen von Karl Dietrich Bracher, Carl-Ludwig Holtfrerich, Horst Möller, Helmut Schmidt, Michael Stolleis und Fritz Stern. Die Frage nach dem Verhältnis von Verfassungskonstruktion und politischer Kultur beschränkt sich nicht allein auf das Jahr 1919. Sie reicht zurück in die deutsche Vergangenheit und weist voraus in die gesamtdeutsche Gegenwart und Zukunft. Sie umfaßt die Geschichte vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik, vom Obrigkeitsstaat bis zur Erlebnisgesellschaft.
Die Verfassung eines Landes ist nicht so wichtig wie seine politische Kultur, zitiert Patrick Horst die Verfassungsrechtler Michael Stelleis und Ernst Benda. Richtig, meint der Rezensent, die Verfassung alleine garantiere keine Demokratie. Aber werde nicht die politische Kultur eines Landes auch von der Verfassung geprägt, fragt der Rezensent. Für ihn steht die Geringschätzung der Verfassung in einer antidemokratischen Linie, die sich mal als "Grundrechthuberei", wie es bei Benda heißt, erweise, mal in einer inflationären Verfassungsgesetzgebung, die wiederum Helmut Schmidt beklagt. Fast alle Autoren des Bandes, am heftigsten aber der Herausgeber Rödder, bedauerten die Tatsache, dass über die Verfassung von Weimar immer nur als gescheitertes Projekt gesprochen werde. Aber auch eine Verfassung muss man an ihrer Wirkung messen, argumentiert Horst dagegen, der durchweg den Eindruck vermittelt, es handelt sich hier um ein interessantes Buch, das den Leser sofort in Diskussionen verstrickt - womit über die Lesbarkeit der einzelnen Beiträge noch nichts gesagt ist.
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