Jürgen Habermas

Wahrheit und Rechtfertigung

Philosophische Aufsätze
Cover: Wahrheit und Rechtfertigung
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1999
ISBN 9783518582725
gebunden, 333 Seiten, 29,65 EUR

Klappentext

Das Buch gibt es auch kartoniert für 34,00 DM.
Inhalt:
Einleitung
1. Hermeneutische und analytische Philosophie. Zwei komplementäre Spielarten der linguistischen Wende
2. Rationalität der Verständigung. Sprechakttheoretische Erläuterungen zum Begriff der kommunikativen Vernunft
3. Von Kant zu Hegel. Zu Robert Brandoms Sprachpragmatik
4. Wahrheit und Rechtfertigung. Zu Richard Rortys pragmatischer Wende
5. Richtigkeit vs. Wahrheit. Zum Sinn der Sollgeltung moralischer Urteile und Normen
6. Wege der Detranszendentalisierung. Von Kant zu Hegel und zurück
7. Noch einmal: Zum Verhältnis von Theorie und Praxis

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.12.1999

In einer ausführlichen Würdigung mutet Albrecht Wellmer dem schlichteren Leser einiges zu, offenbar auch deshalb, um der "postmodernistischen Vogelperspektive" des FAZ-Rezensenten (Christian Geyer) auf dieses Buch zu entgehen. So kann Wellmer dann auch gewiss nicht vorgeworfen werden, sich auf die von Habermas aufgeworfenen Probleme nicht "aus der Nähe" eingelassen zu haben. Die in diesem Band vorgelegten Aufsätze des Philosophen von 1996 - 1998 zeichnet ihre Konzentration auf das Gegensatzpaar "Kontextualität" (Rorty) und "Absolutismus" (Habermas selbst) aus, d.h. die Frage, ob die Wahrheit einer Aussage sich immer nur aus ihrem kulturellen sprachlichen Kontext als Wahrheit ergäbe, es damit also immer nur "Wahrheiten" (Plural) gibt, oder ob es doch eine Einigung auf eine allgemein gültige, von allen Sprechern anerkannte Wahrheit (Singular) geben kann. In seinem Bemühen, den nicht-kontextualistischen Wahrheitsbegriff zu retten, bringt Habermas, so Wellmer, einiges Anregendes, aber am Ende doch wenig Überzeugendes vor. Wellmer selbst setzt gegen die Kontrahenten Rorty/Habermas den Vorschlag von Brandom, den Wahrheitsbegriff selbst in einer dualen Position von zwei Sprechern zu verwurzeln, wodurch die Dualität von "Antirealismus" und "Realismus" auflösbar sei. Zum Schluss würdigt der Rezensent Habermas ausdrücklich und in Abgrenzung derer, die ihn ad acta gelegt haben, als "gesuchten und respektierten Gesprächspartner der brillantesten Köpfe der gegenwärtigen Philosophie" und hofft auf ein "starkes neues Buch" des Philosophen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.11.1999

Rüdiger Bubner setzt sich in seiner Rezension vor allem mit Habermas` Aufsatz über Robert Brandom auseinander. Bei diesem "neuen Stern am analytischen Himmel", dessen Buch "Making it Explicit" in den letzten Jahren viel von sich reden machte, sehe Habermas den von der Schulphilosophie häufig abgelehnten Hegel hinter dem Rücken des akademisch abgesegneten Kant hervorlugen, woraufhin ihn Habermas freundlich begrüße und gleich für sich beanspruche, um seine Theorie der "Rechtfertigung" darzulegen. Auch mit Richard Rorty setze sich Habermas intensiv auseinander, dessen "Kontextualisierung" der Wahrheit Habermas unter großer Anstrengung des Begriffs eine irgendwie doch noch absolute Wahrheit entgegenstelle - hier will ihm Bubner nun aber nicht mehr folgen. Dennoch begrüßt er Habermas` Aufsatzsammlung mit großem Respekt. Dies sei keine Selbstfeier eines Siebzigjährigen, sondern eine Auseinandersetzung mit Jüngeren "auf Augenhöhe".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.1999

In hauptseminarhaft abstrakter Prosa, aber auch mit einigem Spott zeichnet Christian Geyer Jürgen Habermas` Auseinandersetzung mit dem Konkurrenzphilosophen Richard Rorty nach. Habermas scheint in seinen Essays dabei noch irgendwie so etwas wie Wahrheit hochhalten zu wollen, während Rorty den Wahrheitsbegriff überflüssig finde. Geyer meint, "dass Habermas mehr will, als er wollen kann" und rät ihm, von seiner "moralischen Echauffierung" abzulassen. Außerdem bemängelt Geyer bei Habermas einen allzu schwachen Rationalitätsbegriff.

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