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Klappentext
Transkription Johannes Berchtold und Fritz Simhandl. 1972 beschloss der Realitätenhändler Karl Ignaz Hennetmair, ein Freund und Nachbar von Thomas Bernhard, über die Vorfälle und Gespräche dieses Jahres ein Tagebuch zu führen. Der Dichter hat naturgemäß seine Schwierigkeiten mit der Außenwelt, zunächst nimmt sie ihn nicht wahr, doch mit wachsendem Ruhm beginnt sie ihn zu bedrängen, tritt ihm näher als ihm lieb ist, und manchmal hat sie die Neigung, ihn - der nur seine Literatur im Kopf hat - schlicht und einfach für dumm zu verkaufen. Um alle dem zu begegnen, hatte Benhard Hennetmair. Der vermittelte ihm nicht nur seine Realitäten, seine Häuser und Wälder, und verschaffte ihm die notwendigen, möglichst günstigen Verträge, sondern stellte sich auch zwischen den Dichter und die Realität im Sinne des zu bewältigenden Alltags. Er kümmerte sich um den kaputten Fernseher ebenso wie um den Seelenmüll. Stets hielt er Bernhard unerwünschte Besucher vom Leib und empfing ihn selbst im Kreise seiner Familie als Gast. Da wurde dann geplaudert, gescherzt und die halbe Welt ausgerichtet. Und später zog sich Hennetmair in sein Kämmerlein zurück und notierte. Und wir - neugierig wie wir sind - lesen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.12.2000
Ina Hartwigs kurze Kritik lässt vermuten, dass Bernhard-Verehrer mit diesem Band auf ihre Kosten kommen. Verfasst sei das "notariell versiegelte Notizbuch" von einem engen Freund des Schriftstellers, der zwar ganz und gar nicht zur schreibenden Zunft gehöre, dem es aber gelungen sei, ein "wunderbares, komisch-trauriges Buch" über den Autor aus sehr privater Perspektive zu schreiben. Die Rezensentin skizziert kurz den Tenor des Buches. Der Leser erfährt hier, schreibt sie, "was Bernhard tat, wenn er nicht schrieb". Er liebte z.B. ausgedehnte Spaziergänge mit dem Freund, üppige Mahlzeiten und gemeinsame Fernsehabende. Wer vermutet schon, so merkt Hartwig an, dass "dem elitären Schimpfer Bernhard keine Sendung zu blöd" war?
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.12.2000
Hansjörg Graf hält es zwar für übertrieben, dieses Buch als eines der "besten Bücher der Saison" zu bezeichnen, doch auch er preist den "beachtlichen Gewinn" des Tagebuchs, das Hennetmair - österreichischer Immobilienmakler - für das Jahr 1972 über seinen Freund und "Intimus" Bernhard geschrieben hat. Damit werde der "vorläufiger Schlusspunkt" unter manche Kontroverse der biografischen Bernhard-Forschung gesetzt, freut sich der Rezensent. Das Buch konzentriere sich vornehmlich auf "lebensgeschichtliche Fakten", indem es gemeinsam verbrachte Abende schildere und die Gespräche, die Hennetmair mit Bernhard geführt hat, aus dem Gedächtnis wiedergebe. Neben bekanntem Material bringen die Aufzeichnungen auch "völlig neue" Erkenntnisse über den österreichischen Schriftsteller und vermitteln so "Basiswissen über die Rahmenbedingungen einer poetischen Existenz", versichert der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.11.2000
Noch ein Rezensent, der aus dem ungeheuren Meer an flacher Unterhaltungsliteratur ein Buch herausragen sieht: ein Tagebuch aus dem Jahr 1972, in dem der Nicht-Schriftsteller Hennetmeier sein nachbarschaftlich-freundschaftlich ambivalentes Verhältnis mit dem Möchtegernbauern und stets gekränkten und kränkelnden Schriftsteller Thomas Bernhard schildert. "Liebeserklärung" und "Kampfansage" zugleich, meint Rolf Michaelis. Da schimpft Bernhard vernichtend über die Kollegen, wettert über die Welt, die ihm nicht zu Füßen liegt, und setzt sich zugleich dankbar an den gedeckten Tisch der bäuerlichen Großfamilie von nebenan. Diese Mischung, dieses Bild scheint es Michaelis angetan zu haben: mehrfach kommt es er auf das Essen, die Erdung, die Schutzsuche bei der "intakten Großfamilie" des protokollierenden Nachbarn zurück, die den knausrigen, vereinsamten, bitteren Bernhard großzügig bei sich aufnahm. Das Tagebuch musste der Verfasser vor dem Freund, für den er "mal Handlanger, mal Beichtvater" spielte, selbstredend verstecken.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.11.2000
Hans Christian Kosler ist begeistert von dem Buch, das seiner Ansicht nach weitere "Bernhard-Devotionalien überflüssig" macht. Er empfiehlt die detaillierten Aufzeichnungen, die der Immobilienmakler Hennetmair über das Leben des berühmten österreichischen Autors im Jahr 1972 verfasst hat, als "hoch spannende und hoch amüsante Lektüre" und ist beeindruckt von der "Gedächtnisleistung", die darin ersichtlich wird. Besonders die Tatsache, dass Hennetmair dabei nicht zum treuen Jünger wird, sondern seine "geistige Unabhängigkeit" bewahrt, ist dem Rezensenten ein Lob wert. Wenn seiner Ansicht nach zum Ende des Jahres auch eine gewisse Ermüdung des "nüchternen Faktografen" spürbar wird und die Aufzeichnungen immer geraffter erscheinen, wertet der Rezensent das Buch doch als wichtige Quelle für die Bernhard-Forschung, zumal das Jahr 1972 für den Autor besonders ereignisreich war.
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