Bücher der Saison
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Jean Baudrillard
Der unmögliche Tausch
Klappentext
Aus dem Französischen von Martin Sedlaczek. Ausgehend von der Abwesenheit jeglichen Äquivalents (in allen Bereichen: Politik, Recht, Ästhetik, Ökonomie; auch das Denken kann sich weder gegen die Wahrheit noch gegen die Realität austauschen) diagnostiziert Baudrillard die "radikale Ungewißheit" der Welt. Alle Versuche, dieser radikalen Ungewißheit zu entgehen (z.B. in universalisierenden Sytemen) sind gescheitert, und selbst die Überzeugung, in der virtuellen Realität und Intelligenz das definitive Äquivalent gefunden zu haben, trügt. "Alles, was sich gegen etwas austauschen möchte, stößt letzten Endes auf die Mauer des unmöglichen Tauschs." Die Notwendigkeit, künstliche Äquivalenzen zu schaffen, führt nur zu Figuren des Hyper, zu Prothesen etc. Unter diesem Vorzeichen wird alles zur "nutzlosen Funktion" (Realität, Sex, Arbeit, Sprache, Zeit, Gedächtnis, der Andere, das Ereignis). "Dieses Buch wäre eine Erforschung zunächst der `fatalen` sowie dann - durch eine poetische Übertragung der Situation - der glücklichen Konsequenzen des unmöglichen Tauschs."
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.12.2000
Das neue Buch des einundsiebzigjährigen Soziologen Jean Baudrillard liest man am besten rückwärts, meint der Rezensent Andreas Platthaus. Erst auf der letzten Seite finde der Leser die drei Theoreme, die Baudrillards Philosophie zugrunde lägen. "Der unmögliche Tausch", eine Abhandlung über die gegenseitige Abhängigkeit, nicht Austauschbarkeit, von Ökonomie, Gesellschaft und Denken, sei eine grundlegende Verabschiedung vom Austauschprinzip. Platthaus empfiehlt, Baudrillard zusammen mit Jeremy Rifkins "Access" zu lesen, um den Unterschied zwischen delirierender Philosophie und dem Delirium eines Trendforschers zu erfassen. Baudrillard setze auf Dualität. Er betone die gegenseitige Abhängigkeit der Dinge und der Existenzen. Neu ist das nicht, meint Platthaus, der Wissenschaftstheoretiker Bruno Latour hat das bereits vor Baudrillard ausgeführt. Baudrillard koche im eigenen Sud. Trotzdem hält der Rezensent das Buch für unbedingt lesenswert. Allein schon, weil Baudrillard ein philosophisches System auseinandernehme und auf ungewöhnlichen Wegen anregende neue Erkenntnisse liefere.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2000
Der Mensch ist einem Einheitsprinzip ausgeliefert, er kann kein anderer als er selbst mehr sein, alles andere ist nichts anderes als der Mensch. So die wenig beglückende (wenngleich natürlich auch kaum verständliche) Diagnose Baudrillards für unsere Gegenwart, die die Rezensentin Schamma Schahadat weitgehend kommentarlos (und so wohl zustimmend) in ihrer Kritik nachvollziehend entfaltet. Rettung, so Baudrillard, könne nur ein "nutzloses" Denken bringen, ein Denken, das die Welt "noch rätselhafter und unerkennbarer" wiedergibt als sie eh schon ist, etwa im Versuch zu tauschen, was nicht zu tauschen ist, wie in Adrian Lynes Film "Ein unmoralisches Angebot", der in diesem Buch analysiert wird. Das Schlusswort hat in der Rezension wie hier Baudrillard: "Da sich die Welt auf einen Zustand des Deliriums hin entwickelt, muss man ihr gegenüber einen delirierenden Standpunkt einnehmen."
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