Bücherschau der Woche
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Englischen von Reinhild Böhnke. Der Gedanke an die Grausamkeit des Menschen im Umgang mit Tieren bedrängt die Romanautorin Elizabeth Costello mit zunehmendem Alter immer mehr: Die Menschen machen sich in ihren Augen eines Verbrechens von unvorstellbarem Ausmaß schuldig, das sie täglich in den Zuchtbetrieben und Schlachthäusern, in den Versuchsstationen und Forschungslabors rund um die Welt geschehen lassen. Costellos Sohn, Professor für Physik, an dessen Universität Elizabeth eine Vorlesung über dieses Thema hält, sieht sich in der schwierigen Situation, zu weniger fundamentalen Positionen in der Debatte um die Rechte der Tiere vermitteln zu sollen. Haben Tiere Rechte? Haben Menschen Tieren gegenüber Pflichten, unabhängig davon, ob sie Rechte haben? Welche Art Seele haben Tiere? Und welche die Menschen? Elizabeth Costello provoziert und verstört mit ihren elementaren Fragen die Intellektuellen. J. M. Coetzee nutzt die Form der literarischen Erzählung, um nachzudenken über eine der wesentlichsten Menschheitsfragen: die Frage nach der Würde der Kreatur.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.12.2000
Die Stimme, die durch diesen "komplexen Hypertext aus Erzählung, Dialog und Essay" führt, gehört der fiktiven Literaturwissenschaftlerin Elizabeth Costello, und die nimmt eine Vorlesung, die sie halten soll, zum Anlass, über den Missbrauch von Tieren zu reden, erzählt Hermann Wallmann in seiner sehr positiven Kritik. Das Buch habe zwei Teile, `Die Philosophen und die Tiere` und `Die Dichter und die Tiere`. Drumherum gebe es noch ein erzählerischen Rahmen, festgemacht an den Protagonisten John und Norma, der ein bisschen erleichternde Distanz zum Geschehen schaffe. Wallmann empfiehlt den Lesern, sich von der harmlosen Aufmachung - wie "eines der preiswert bibliophilen `Geschenkbücher`" - nicht täuschen zu lassen, denn bei diesem Buch könne einem Hören und Sehen vergehen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.10.2000
Katharina Rutschky setzt sich mit vier Neuerscheinungen über den menschlichen Umgang mit Tieren und die moderne Kritik an der Evolutionstheorie auseinander. Nicht der Angriff auf die Theologie werde Darwin heute vorgeworfen, sondern vielmehr die "Dynamik der Evolution", schreibt sie. So gebe es heute neben der Faszination an den modernen Biotechnologien gleichzeitig eine "fast religiöse" Rückbesinnung auf die Natur. Damit beschäftige sich das Buch
1) Burkhard Müller: "Das Glück der Tiere"
Der Literaturwissenschaftler Burkhard Müller betreibe hier einen "sprachlich brillanten Aufwand", um zu zeigen, dass eine individuelle Existenz nur möglich sei, wenn man Darwins Lehre überwinde. Damit flüchtet Müller sich aber in eine "feige Metaphysik", so die Rezensentin. Rutschky macht darauf aufmerksam, dass das "Glück der Tiere" im Grunde erst begonnen hat, als Darwin den Menschen zum "fellow animal" erklärt und ihm damit seinen Status als höherstehendes Wesen abgesprochen hat.
2) J.M. Coetzee: "Das Leben der Tiere"
Rutschky preist dagegen das "kleine, raffinierte Meisterwerklein" des südafrikanischen Schriftstellers J.M. Coetzee, eine "philosophische Erzählung" mit Fußnoten zum Stand der Wissenschaft über eine alte feministische Schriftstellerin, die sich an einer Universität mit ihrem vehementen Eintreten für das Wohl von Nutz- und Schlachttieren "lächerlich macht". Rutschky bewundert das Verfahren Coetzees, der die Frau in ihrer ganzen Zwiespältigkeit beschreibe und dabei "jede Raffinesse" aufwende, die einem Schriftsteller heute zur Verfügung stehe.
3) Sarah Blaffer Hrdy: "Mutter Natur"
Um eine weibliche Perspektive der Evolutionstheorie bemühe sich die Feministin Sarah Blaffer Hrdy in ihrem "Wälzer" von fast 800 Seiten. Zu Recht, schreibt Rutschky, denn diese Seite sei von Darwin unter dem Einfluss viktorianischer Frauenideale zeittypisch vernachlässigt worden. Vom Beispiel der Wespen, über die Soziobiologie bis zur Frage der Abtreibung komplettiere die Autorin die Evolutionstheorie um ihre "vorher fehlende Hälfte".
4) Peter Dinzelbacher (Hrsg.): "Mensch und Tier in der Geschichte Europas"
Was die Tiere dagegen von den Menschen zu erwarten hätten, referiere der "nüchterne, fast meinungslose" Sammelband des Herausgebers Peter Dinzelbacher. Ausgehend von der Vorgeschichte, der griechischen und römischen Antike werde hier beschrieben, wie zum Beispiel die Römer sich in aller Unschuld an den blutigen Tier- und Menschenkämpfen delektierten. Das Buch weise schließlich auf die Spaltung im Bewusstsein der Moderne hin, wo der Schutz der Natur und deren industrielle Ausbeutung miteinander einhergingen. Das alles beschreibt die Rezensentin, um am Ende doch zu Darwin zu halten und seiner Lehre von der ständigen, wenn auch ungerichteten Weiterentwicklung. Rutschky fasst das in dem Sinnspruch zusammen: "Das Leben geht weiter..."
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Uangenehm plausibel
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Archiv: Vorgeblättert
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