"Lieber Franz" erzählt die Geschichte von Franz Kafka in fiktiven Briefen des Autors und solchen an ihn - von Freunden, Bekannten, Zeitgenossen. Und Anna Bolecka gelingt es, die intensive Spannung, in der Kafka zu seiner Welt gelebt hat, wiederzugeben, indem sie die auftretenden Figuren kunstvoll selbst zu "dramatis personae" erklärt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.02.2001
Ein Verriss! Seltener Fall klarer Verhältnisse: Jemand hat ein Buch geschrieben, und der Rezensent findet, es ist das Papier nicht wert. Wenn dann noch die Argumente derart luzid vorgetragen werden wie in der Besprechung von Ulrich M. Schmid, ist eigentlich niemand zu bedauern. Oder doch? Dem "vielleicht rätselhaftesten Autor der deutschen Literatur" mit einem so "gefälligen Text" aus "biografischen Klischees" und "vulgärfreudianischer Sexualsymbolik" näherkommen zu wollen - und ebendiesen Anspruch erhebt der Roman nach Ansicht Schmids -, sei, so schreibt er merklich verärgert, ein Bärendienst am Dichter: "Armer Franz".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 02.12.2000
Mit Anna Boleckas Briefroman über Kafka kann sich Michael Grus nicht so recht anfreunden. Schwierig wird`s schon mit der Gattungszuweisung . Der fingierte Briefwechsel zwischen Kafka und Menschen, die ihm nahestanden, enthält, so der Rezensent, zuviel Details zur Biografie und zuviel romanhafte Darstellungen. Durch die Sprache in den Briefen stellen sich die Personen oft anders dar, als sie aus der Forschung überliefert sind, fällt Grus auf. Auch flicht die Autorin Originalzitate in leicht abgewandelter Form und Auszüge aus Kafkas Tagebüchern ein, und - was bei Literaturwissenschaftlern besonders schlecht ankommt, wie er vermutet - der Franz K. des Briefromans schlüpft zuweilen in die Rolle der Gestalten seiner Werke. Der Roman läßt sich für Grus verschiedensten Textsorten zuordnen: er sei romanhafte Dichterbiografie, Werkinterpretation und Liebesgeschichte zugleich. Grus bezeichnet ihn aber auch als einen "ambitionierten Essay zu Leben und Werk Franz Kafkas", denn die Freundespost wirke zunächst so, als würden viele verschieden Stimmen unterschiedliche Perspektiven eröffnen. Es stellt sich jedoch heraus, dass alle nur eine festgelegte Rolle übernehmen und bestimmte Prinzipien vertreten, eine Konversation, bei der "immer Franz nach dem Mund geredet wird", moniert der Rezensent.
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