Aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger. Dahlia ist Russin, sie lebt in Kopenhagen, unterrichtet am Institut für Slavistik und schreibt seit langen Jahren an einer Arbeit über Michail Bulgakow. Auch ihre Freunde sind alle emigriert, sie jedoch haben sich in den Dienst des Kapitalismus gestellt und führen ein reiches Leben in den USA. Dahlias Leben ist einsam. Als in der Nachbarschaft ein Mädchen überfahren wird und der Fahrer flüchtet, wird sie wider Willen von ihrem Nachbarn Isak in ein Geheimnis hineingezogen. Mehr und mehr löst sich für Dahlia die Grenze zwischen Fiktion und Realität auf und ihre Lebenswirklichkeit verschwimmt zusehends. War es Isak, der das Mädchen überfahren hat? Oder am Ende sie selbst? "Dies hier ist mein Leben. Ich kann ihm nicht entkommen. Ich versuche, es mir von der Seele zu schreiben, mir in der Fantasie eine andere Welt vorzustellen, mich für einen anderen Menschen aufzugeben, aber ich bin gezwungen, die Wahrheit zu erzählen, sie drängt ans Licht."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.01.2012
Auch wenn Mirjam Kristensens Protagonistin, eine Weltflüchtige in der Ahnenreihe mit Bachmanns Malina, mit dem Leben davonkommt, findet Rezensentin Beate Tröger diesen Roman alles andere als harmlos. Dafür bürgt laut Tröger eine talentierte Autorin, der es gelingt, das Doppelbödige der Geschichte von Anfang an durchscheinen zu lassen. Irgendetwas stimmt nicht mit dem scheinbar so unspektakulären Leben der einsam arbeitenden russischen Slawistin Dahlia, das merkt die Rezensentin schnell. Auf Kristensens raffiniertes Spiel mit Lesererwartungen lässt sie sich dennoch gerne ein. Zumal die Autorin souverän über ihre Mittel verfügt und die verschiedenen Wahrnehmungsebenen geschickt miteinander konfrontiert. Obwohl diesem Roman alles Prätentiöse abgeht, hat er es doch faustdick zwischen den Buchdeckeln, findet Tröger.
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