Aus dem Französischen von Thomas Laugstien. Der Band versammelt, größtenteils zum ersten Mal in deutscher Sprache, bislang kaum erschlossene Schriften Simone Weils der dreißiger und frühen vierziger Jahre am Vorabend des zweiten Weltkriegs, vor dem Hintergrund von Weltwirtschaftskrise, Volksfront und spanischem Bürgerkrieg, und zuletzt zu Kriegszeiten im besetzten Frankreich und in ihrer Aktivität für die Resistance. In ihren Analysen seziert Simone Weil die Mechanismen der Macht, die Formen der Gewalt und die Verführungskraft der Ideologie und überrascht etwa durch eine Lektüre der Ilias, die den Trojanischen Krieg als Archetyp moderner Kriegsführung und kollektiver Verblendung erkennt. In gnadenloser Klarheit zeichnen die Essays nicht nur das hellsichtige Szenario des drohenden Terrors, sondern zugleich das Porträt einer wachsamen Zeitzeugin und kontroversen Denkerin, die ihr Leben dem politischen Kampf und dem pazifistischen Widerstand gegen die Barbarei gewidmet hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.01.2012
Zwei Bände der mystisch-politischen Denkerin bringt der Diaphanes-Verlag neu heraus. Wolfgang Matz, Lektor des Hanser Verlags, bespricht sie in einer Doppelkritik und stellt gleich klar, dass das "posthume Vermächtnis" "Die Verwurzelung" und die Essaysammlung "Krieg und Gewalt" nur zusammen gelesen werden können. Kenntnisreich skizziert Matz die Theorien Weils und betont, wie sehr sie aus ihrem historischen Kontext verstanden werden müssen - geschrieben wurden die Texte im Zeitalter des totalitären Triumphs und des Versagens der Demokratie. Matz macht im Essenzialismus Weils - am "Guten schlechthin" soll Politik genesen - dann gerade auch eine Verwandtschaft zu Diskursen des Vichy-Regimes aus, gegen das sie als Resistance-Kämpferin ihr Leben riskierte. Gleichzeitig bilden Elemente ihres Denkens wie Regionalismus und Basisdemokratie Reaktionen auf die entfremdete und "entwurzelte" Demokratie und Industriegesellschaft, wie sie später in der Ökologiebewegung wieder aktuell wurden. Matz kritisiert, dass die Texte Weils so ganz nackt, ohne Kontext und Kommentar, dargeboten werden - für die meisten Leser heute unverständlich. Trotzdem rät er zur Lektüre. Besonders Weils Essay zur Ilias - also gerade ein nicht zeitgebundener Text - ist für ihn "einer der großen Essays des 20. Jahrhunderts".
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