Was hat es mit Heimito von Doderers NS-Vergangenheit auf sich? Was zog ihn am Nationalsozialismus an, was stieß ihn später ab? Das Buch bringt neue Erkenntnisse zu diesem Einfluss in Leben und Werk. Aufschluss gibt sein Romanprojekt der 30er Jahre "Die Dämonen der Ostmark", von dessen antisemitischer Thematik er sich bis zur Veröffentlichung der "Dämonen" 1956 schrittweise distanzierte. Die biografische Spurensuche zeichnet den dramatischen Lebensweg von Doderers Freunden jüdischer Herkunft nach. Besonderes Augenmerk gilt seiner ersten Ehefrau Auguste Hasterlik und deren Familie gestützt auf die beeindruckende Briefsammlung von Hasterliks Nichte Giulia Hine, die hier erstmals erschlossen wird. Darunter Briefe, in welchen Freunde über Doderers Zwiespältigkeit und seine Erfolge berichten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.12.2011
Warum sie Heimito von Doderer lesen sollte, bleibt Friederike Reents auch nach der Lektüre dieser Dissertation von Alexandra Kleinlercher schleierhaft. Um Doderers Biografie, seine radikal nationalistischen Tendenzen und seine rassistischen Vorurteile in Werken wie "Dämonen der Ostmark" kennenzulernen, reicht der Band von Kleinlercher laut Reents indes aus. Jedenfalls, wenn der Leser sich mit philologisch und historisch korrekter Recherche- und Archivarbeit befassen möchte. Für schärfere Analysen und eine stärkere Beleuchtung von Doderers dualem Wirklichkeitssystem muss sich die Rezensentin an anderer Stelle umsehen.
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