Oktober 1956: Nahe der Grenze fallen Schüsse, Blut fließt. Schnell ist der Traum von der großen Freiheit in Ungarn vorbei. Istvan Földesch flüchtet mit seiner Frau Etelka und dem Sohn Laszlo über die grüne Grenze. In einer Molkerei findet die Familie rasch Arbeit. Viele Jahre später begegnen sich der Rechtsanwalt Valentin Görtz aus Österreich und der Ungar Laszlo Földesch an einer Tankstelle. Obwohl sie sich nie zuvor gesehen haben, sind ihre Biographien eng miteinander verknüpft. Görtz findet heraus, dass sein Vater einst der Anwalt des Molkereidirektors war, und auch bei seiner Lebensgefährtin Katharina setzt Laszlo Erinnerungen in Gang.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.01.2012
Sehr berührt schreibt die Rezensentin Sabine Doering über die Schilderung des faktischen Hintergrunds in diesem Roman, der die Geschichte von Ungarn-Flüchtlingen nach 1956 in Österreich erzählt. Eindringlich gelingen der Autorin die Porträts der Hauptfiguren, so Doering, glaubhaft und nachvollziehbar werden ihre Integrationsschwierigkeiten und -erfolge erzählt. Weniger überzeugt ist Doering von der literarischen Ambition der Autorin, die versucht, durch eine zweite Zeit- und Handlungsebene die einfache Grundkonstellation des Romans zu überwölben, aber nach Meinung der Rezensentin an der Kompliziertheit der Konstruktion scheitert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.11.2011
Evelyn Schlags Roman mit seinen verschlungenen zeitlichen Ebenen und kompliziert verflochtenen Beziehungen hat Franz Haas einiges abverlangt, aber für ihn hat sich die Lektüreanstrengung gelohnt, wie er betont. Die österreichische Autorin erzählt darin vom Schicksal einer ungarischen Familie, die nach dem Ungarn-Aufstand nach Österreich flieht, aber dort nicht heimisch wird. Ihr Roman umkreist den "Eigensinn des Zufalls der Geografie, der Geschichte und des Scheiterns" fasst der Rezensent zusammen, der insbesondere die Atmosphäre der 1950er und 60er Jahre sehr plastisch und überzeugend evoziert sieht. Bewunderung erntet auch Schlags psychologisches Geschick, in der auseinanderbrechenden Ehe der Eltern der Hauptfigur exemplarisch eine wenigstens teilweise gelungene und eine ganz scheiternde Integration im Exil zu zeichnen. Wenn er mitunter die Macht des Zufalls, die die verschiedensten Figuren auf überraschende Weise miteinander verknüpft, auch ein bisschen zu oft am Werk sieht, hat er sich doch insgesamt von diesem Roman tief in den Bann ziehen lassen.
Angelika Klüssendorf: Trost 2022. Angelika Klüssendorf erzählt von Liebe, Entzweiung und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Rita, Meisterin darin, sich in die falschen Männer zu verlieben, fällt plötzlich… Lena Schätte: Das Schwarz an den Händen meines Vaters Motte wird sie von ihrem Vater genannt. Eigentlich hat sie sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen,… Christine Wunnicke: Wachs Schauplatz ist Frankreich im 18. Jahrhundert, das vorrevolutionäre und das überaus revolutionäre. Und es lieben sich zwei Frauen, die verschiedener nicht sein könnten: Marie… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen…