Benjamin Disraeli, Sohn einer jüdischen Einwandererfamilie aus Italien, war in der Londoner Gesellschaft genauso zu Hause wie auf dem politischen Parkett. Sein extravagantes Auftreten verschaffte ihm Aufmerksamkeit, und man sagte ihm zahlreiche Affären nach. Sein Erfolg als Romancier öffnete ihm die Türen zu den Salons, hier konnte er die Kontakte knüpfen, die ihm den Weg ins britische Unterhaus ebnen sollten. Politisch war Disraeli ein Mann der Gegensätze: ein Erzkonservativer, der von der liberalen Haltung Englands profitierte, ein getaufter Christ, der seine jüdische Herkunft dennoch als Grundlage seines Denkens betrachtete, ein ewiger Außenseiter, der von Ruhm und Ehre für England träumte. Seine Vorstellungen von Macht und der Weltherrschaft Großbritanniens und seine Überlegungen zum Nahen Osten sind bis heute von politischer Bedeutung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.11.2011
Leicht lesbar und sympathisch nennt Rezensent Benedikt Stuchtey Adam Kirschs Biografie des viktorianischen Politikers und Bestseller-Autors Benjamin Disraeli. Ganz überzeugt scheint er aber nicht von ihr zu sein. Sehr ausführlich widmet sich Stuchtey Disraelis Fremdheit in der Gesellschaft. Fraglich findet Stuchtey dabei Kirschs Versuch, diese Fremdheit vor allem mit Disraelis Judentum beziehungsweise mit dem ihm entgegengebrachten Antisemitismus zu erklären. Auch hätte er sich gewünscht, dass Kirsch ausarbeitet, dass es auch liberale Hoffnungen waren, die Disraeli auf das - nationale Begrenztheiten überwindende - Empire setzte. Inwieweit sich Stuchteys Ausführungen zu Disraelis Exzentrik, seinem Bonapartismus und seinem Versuch, die Krone zu einer "Parteigängerin des Konservatismus" zu machen, auch in Kirschs Buch wiederfinden, lässt sich Stuchteys Kritik leider nicht entnehmen.
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