"Great wits jump" - Originelle Geister vollführen Gedankensprünge: Für Sterne ist dieser Anspruch zugleich seine ästhetische Grundüberzeugung, denn ungewöhnliche Assoziationen können verschüttete oder schamhaft verschwiegene Gedanken blitzartig erhellen. Die sternesche Zitierpraxis agiert auf ebendiesem Felde: Seine Romane zeichnen sich besonders durch ihre vieldeutige Sprache aus, sie sind aufgeladen mit einer Fülle von Anspielungen, die sich nicht endgültig entschlüsseln lassen. Dass Laurence Sterne in seinen Werken unzählige Passagen aus der literarischen Überlieferung zitiert, ist zwar seit Langem bekannt. Werner Busch kann nun aber zeigen, dass Sterne auch zahlreiche Werke der bildenden Kunst aufgreift und seinem Werk radikal einverleibt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.10.2011
Rezensent Helmut Mayer macht in seiner Besprechung von Werner Buschs Studie mehr als deutlich, dass die Vorliebe des 18. Jahrhunderts für Zitate, Anspielungen und Verweise ein ebenso komplexes wie faszinierendes Beziehungsgeflecht hinterlassen hat. Selbstvergessen folgt der Kritiker den verschlungenen Pfaden, die den Kunsthistoriker Busch von Laurence Sternes "Tristram Shandy" zu dessen mutmaßlichen bildlichen Vorlagen und Inspirationsquellen führen. Bei Joshua Reynolds sei Busch fündig geworden, erfahren wir; außerdem bei William Hogarth und Annibale Carraci, wobei von den Letztgenannten wiederum Spuren zu Leonardo und Michelangelo führten. Dabei findet Mayer die Studie auch dort, wo sie eher auf Indizien als auf eindeutige Beweise abstellt, noch plausibel. In jedem Fall rechnet er es Busch hoch an, von kunsthistorischer Seite nachzutragen, was die Sterne-Philologie bereits mit Akribie für die literarischen Vorlagen des "Tristram Shandy" geleistet habe. Zu guter Letzt empfiehlt Mayer dieses "elegante" und "grundgelehrte" Buch nicht nur als "Abhandlung über raffiniertes Zitieren", sondern auch und vor allem als Gelegenheit, sich erneut in Sternes Klassiker zu versenken.
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