Bildliche Darstellungen von Gewalt können erschrecken und verzaubern, verstören und erfreuen, ihre zwiespältige Wirkung verdanken sie auch der Distanz zum Dargestellten. Gewaltbilder stellen grausame Szenen vor Augen und bieten dem Betrachter die Möglichkeit zur sinnlichen Anschauung, zur meditativen Versenkung und zur intellektuellen Erkenntnis. Stets konfrontieren sie uns mit der Frage, wer wir sind und wie wir uns selbst verstehen müssen. In "Todesarten" nimmt Wolfgang Sofsky ausgewählte Bildwerke der Gewalt akribisch in den Blick. In Einzelanalysen geht er ihrer ästhetischen Wirkung und imaginativen Kraft nach. So entsteht ein Bildpanorama von Mord und Totschlag, Kampf und Krieg, Strafe und Opfer. Von den Anfängen in den Höhlenzeichnungen von Lascaux über christliche Martyrienbilder bis zur modernen Kriegsfotografie erweist sich die abendländische Kunstgeschichte als eine Bildkultur der Gewalt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.01.2012
Wolfgang Sofskys Untersuchung von Bildern der Gewalt hat den hier rezensierenden Politikwissenschaftler Herfried Münkler sichtlich beeindruckt. Er schätzt den Autor als einen der bedeutendsten Soziologen der Gewalt in Deutschland. Sofkys "beschreibende Beobachtung" von Gewaltszenen auf Gemälden und Fotografien haben seines Erachtens den Vorzug einer Methodenvielfalt, die von der Kontextanalyse bis zur dichten Beschreibung reicht und nicht einer kunsthistorischen Schule verpflichtet ist. Thematisch widmet sich das Werk dem Kampf zwischen Mensch und Tier, dem Menschenopfer, dem Quälen und Strafen, Morden und Kämpfen und Kriegführen. Eine leichte Lektüre darf man nach Einschätzung Münklers nicht erwarten, aber eine lohnende und anregende: "Man sieht mehr und man sieht genauer, wenn man die Bilder unter Sofsky Anleitung betrachtet."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2011
Einem einzelnen Fachbereich kann Lorenz Jäger den Autor beim besten Willen nicht zuordnen. Zu universell die Bildung, zu groß seine Einsicht in die technische Seite der Malerei, in Komposition, Sujetgeschichte und Malerbiografien - und dabei ist der Mann von Haus aus Soziologe! Egal. Das Buch ist die Wucht, findet Jäger. Nie hat er derart harte und präzise Bildanalysen gelesen, nicht sich selbst feiernd, sondern dem Zweck dienend, die im Bild versenkten Todesgedanken zu erschließen. Apropos: Das Thema. Nichts für den Gabentisch vielleicht, warnt Jäger. Außer vielleicht für einen anspruchsvollen Leser, der Dichte nicht scheut und den Gegenstand, der wissen möchte, was es etwa mit Grünewalds Kreuzigung oder heutigen Kriegsfotografien auf sich hat.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2011
Mit dem Besuch eines "Museums der Gewaltbilder" vergleicht Rezensent Thomas Macho die Lektüre von Wolfgang Sofskys Buch "Todesarten". Nach einer Reflexion des Verhältnisses von Bild und Gewalt wendet sich der Rezensent den Bildern zu, die sich in dem Werk finden. Gegliedert in die thematischen Einheiten Tiere und Menschen, Menschenopfer, Qualen und Strafen, Freitod, Mord und Kampf, Krieg veranschaulicht Sofsky für ihn eindrucksvoll den "Erfindungsreichtum der Tötenden". Macho lobt vor allem die poetisch-sorgfältigen Bildbeschreibungen des Autors. Sein Fazit: ein Rundgang durch "Höllenkreise und Schreckenszonen".
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